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Aktualisiert am
23.11.2022, 12:54 Uhr
Editorial

Risiken mit Systemrelevanz

Krisenmanagement gehörte für Leitungskräfte schon immer zur Stellenbeschreibung. Doch was ist, wenn die Gefahrenquellen nicht mit sich reden lassen? Davon handelt unser Schwerpunkt ‚Sicherheit‘ (Seite 20). Dort lesen Sie, mit welchen Mitteln Einrichtungen Coronapandemie, Extremwetterlagen oder Hackerangriffe in den Griff bekommen wollen. Insbesondere die anonymen Angriffe aus dem Internet machen den Trägern schwer zu schaffen. Das Internationalen Komitee vom Roten Kreuz ist nur ein Beispiel von vielen, das Opfer einer Attacke wurde (Seite 26). In der kommenden Ausgabe werden wir dem Thema Cybersecurity einen eigenen Schwerpunkt widmen. 

Im Ernstfall müssen Träger in der Lage sein, transparent und angemessen zu reagieren. Genau daran hat es bei der Diakonie München und Oberbayern gemangelt, als der Vorwurf einer sexuellen Grenzüberschreitung intern publik wurde. WI-Redakteur Dennis Hansen hat den Fall detailliert nachgezeichnet (Seite 12). Die bittere Erkenntnis: Die Aufarbeitung wäre anders gelaufen, wenn die Diakonie das Präventionsgesetz der Evangelischen Kirche Bayern bereits umgesetzt hätte. 

Derzeit werden die Pflöcke für die Bedingungen gesetzt, unter denen Einrichtungen künftig arbeiten müssen. Der Vorsitzende des Behindertenfachverbandes der Caritas, Wolfgang Tyrychter, benennt die Fallstricke, die in der Umsetzung des Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen lauern (Seite 36). Der Gesundheitsausschuss des Bundestages berät einen Gesetzentwurf zur Entlastung der Pflege im Krankenhaus, den die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Christine Vogler, kritisch sieht. Sie befürchtet die Zementierung der gegenwärtig schwierigen Arbeitsbedingungen in der Pflege und fordert, die Selbstvertretung der Pflegekräfte zu stärken (Seite 6). Der Rechts- und Sozialwissenschaftler Thomas Klie untermauert Voglers Forderung in seinem Kommentar (Seite 24).

In der Praxis stehen andere Themen im Mittelpunkt. Die Leiharbeit etwa gehört zu den Geistern, die Verantwortliche einst riefen, um Arbeitsspitzen abzufangen oder Tarife zu unterlaufen. Jetzt schwingen die Leiharbeitskräfte selbst den Besen und lassen die Verantwortlichen nach ihrer Pfeife tanzen. Sollte Leiharbeit deshalb verboten werden? Wir führen diese Debatte ab Seite 30.

Iris Röthig
Chefredakteurin