15.03.2022, 09:50 Uhr
Energiewende: Ökostrom

Den Energieerzeuger wechseln

Beauftragter für Klimaschutz Borker © Niels-Stensen-Kliniken

Die Niels-Stehnsen-Kliniken beziehen nun Strom aus norwegischer Wasserkraft. Trotzdem sind sie bei ihrem alten Stromanbieter geblieben.

Wir, die Niels-Stensen-Kliniken, sind ein sehr großer Energieverbraucher. Unsere neun Krankenhäuser benötigen rund um die Uhr neben Gas riesige Strommengen. Das sind pro Jahr rund 19 Millionen Kilowattstunden. Energieberater prognostizieren für unseren Klinikverbund bis 2025 eine Kostenzunahme von 640.000 Euro pro Jahr, und zwar nur bezogen auf die zu entrichtende CO₂-Steuer. Hinzu kommen ein stetig wachsender Bedarf an Energie durch Neubauten und Anschaffung zusätzlicher Großanlagen sowie eine kontinuierliche Steigerung der Stromkosten. Insgesamt rechnen wir als Klinikverbund in den nächsten Jahren eher mit zusätzlichen jährlichen Kosten von über einer Millionen Euro.

Arbeitsgruppe Klimaschutz gegründet

Im November 2019 entschieden wir uns zur Teilnahme am Klimaschutzprojekt Klik green, dessen Ziel es ist, mit Klimaschutzmaßnahmen 100.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten in 250 Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen zu vermeiden. Wir erhofften uns davon einerseits Kosten senken zu können und gefährliche Treibhausemissionen zu verringern. Dabei helfen etwa neue energiesparende Anlagen. So tauschten wir alte Heizungspumpen gegen Hocheffizienzpumpen aus.    

Um die Hauptziele weniger Kosten und Emissionen erreichen zu können, gründeten wir eine verbundweite Klimaschutz-Arbeitsgruppe, deren Mitglieder ein Qualitätsmanager, ein Küchenleiter, ein IT-Leiter sowie ein stellvertretender Technischer Leiter sind. In der AG definierten wir potenzielle Klimaschutzmaßnahmen und ordneten sie zehn Gruppen zu. Diese waren angelehnt an die Rubriken der Global Green and Healthy Hospitals, einem internationalem Verbund von Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen mit dem Ziel, ihren CO₂-Fußabdruck zu senken. Die Gruppen dienten dazu, sich bei den vielen möglichen Klimaschutzmaßnahmen nicht zu verrennen. Mit Hilfe der Gruppen-Zuordnung benannten wir schließlich die ersten 42 Klimaschutzziele. Im Bereich Einkauf betraf das zum Beispiel die Umstellung auf grünen Strom.

Strommenge aus Windkraft nicht lieferbar

Den bisherigen Versorgungsvertrag unbürokratisch auf Ökostrom umzustellen, war sehr einfach. Der uns zunächst angebotene Ökostrom, wäre allerdings für uns um ein Vielfaches teurer geworden. Grund ist, dass er überwiegend aus regionaler Windkraft bezogen wird. Zudem konnte der Energieversorger die für uns hohe Energiemenge nicht liefern. Daher entschieden wir uns für den günstigeren Ökostrom, erzeugt durch norwegische Wasserkraftwerke. Wir konnten bei unserem örtlichen Stromanbieter keinen als gelabelten Ökostrom erhalten, da dieser in dieser Menge derzeit nicht zur Verfügung steht. Der Strom aus den Wasserkraftwerken hat einen Herkunftsnachweis, mit dem wir belegen können, dass er aus erneuerbaren Energien stammt. Über einen Umstieg auf Ökostrom mit Label denken wir langfristig nach.

Dass sich der Umstieg für den Klimaschutz für uns gelohnt hat, zeigt sich bereits anhand der CO₂ äquivalenten Bilanzierung. Demnach bewirkt der Wechsel auf Ökostrom in unserem Klinikverbund aktuell eine CO₂ äquivalenten Reduktion von 4.299 Tonnen im Jahr. Zusätzlich zahlen wir jährlich 6000 Euro. Kosten haben wir somit nicht eingespart. Über weitere Klimaschutzmaßnahmen im gesamten Klinikverbund konnten wir zusätzliche 620 Tonnen CO₂ Äquivalenten im Jahr einsparen. In den vergangenen anderthalb Jahren haben wir das mit der Einführung von Recyclingpapier, Reduzierung von Lebensmittelabfällen oder der Umstellung von Dampf- auf Strombetrieb in der Küche erreicht.

Der Autor

Dr. Siegfried Borker Beauftragter für Klimaschutz der Niels-Stensen-Kliniken.

siegfried.borker(at)niels-stensen-kliniken.de