15.03.2022, 09:53 Uhr
Energiewende: Kompensation

Auslandsstandorte klimaneutral machen

Lead Climate Finance Witt @ www.reusmann.de

Flugreisen und Hilfsprojekte von Malteser International verbrauchen viel Energie. Der Ausweg ist die Kompensation von CO₂-Emissionen.

Bei Malteser International nehmen wir Klima- und Umweltschutz ernst. Als international tätige Organisation mit humanitärem Mandat steht für uns der Dienst am Menschen im Mittelpunkt. In unserem Falle sind das meist Menschen, die unproportional von negativen Klimafolgen betroffen sind, obwohl sie fast nichts zum Klimawandel beitragen. In der katholischen Tradition des Malteserordens wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, die Schöpfung zu waren. In diesem Sinne haben wir 2021 die Malteser International Common Home Initiative (MI-CHI) gegründet – in Anlehnung an die Metapher des gemeinsamen Hauses aus der päpstlichen Enzyklika „Laudato Si“. 

Klimaschutz skalieren

Mit MI-CHI wollen wir unsere bestehenden Angebote im Bereich Umwelt- und Klimaschutz bündeln und auf einen strategischen Boden stellen, um ihre Gesamtwirkung noch besser zu verstehen und sie intern zu skalieren, wo dies möglich ist. Doch damit nicht genug: Mit MI-CHI begeben wir uns auch auf den Weg zur Klimaneutralität.

Zusammen mit unserem Partner Klima-Kollekte, einem CO₂-Kompensationsfonds christlicher Kirchen, haben wir begonnen, eine CO₂-Bilanzierung unserer Auslandsstandorte in mehr als 30 Ländern weltweit zu erstellen. Diese Art der detaillierten Erfassung von Auslandsstrukturen ist im NGO-Bereich noch gering verbreitet. Wir leisten hier Pionierarbeit, in der Hoffnung, auch andere Organisationen von diesem Schritt überzeugen zu können. Basierend auf den Ergebnissen der CO₂-Bilanzierung, die bis Ende Juni 2022 vorliegen werden, werden wir einen Plan erstellen, wie wir unsere Emissionen gezielt verringern und wo wir unvermeidbare Emissionen durch Kompensation ausgleichen können.

Notstrom läuft weiter mit Diesel

Schon jetzt lässt sich feststellen, dass dieser Schritt kein einfacher sein wird. Vor allem der Energieverbrauch in strukturschwachen Regionen ganz ohne oder ein verlässliches Stromnetz schlagen bei den Standortbilanzen ins Gewicht. Zwar verfügen viele unserer Büros schon seit Jahren über Solarstromanlagen. Häufig reichen diese jedoch nicht aus, um den gesamten Strombedarf Tag und Nacht verlässlich zu decken, so dass sie zur Notstromversorgung auch Diesel-Generatoren einsetzen müssen.

Zudem sind unsere Auslandsmitarbeiter meist in Regionen im Einsatz, in denen es kein gepflegtes Straßennetz gibt. Das führt zu Emissionen durch unsere Offroad-Fahrzeuge. Um den Zugang zu den betroffenen Menschen in unseren Projektgebieten verlässlich aufrecht erhalten zu können, werden wir auch weiterhin Geländewagen verwenden müssen. Das Segment ist von der Elektro-Fahrzeugbranche bisher noch nicht erschlossen worden.

Solarpumpen in Flüchtlingslagern

Wir müssen uns also auch in mittelfristiger Zukunft damit auseinandersetzen, dass Energie und Zugang zu Betroffenen entweder negative Klimabilanzen mit sich ziehen, teuer sind, oder beides. Doch genau hier setzt unsere Initiative an. Bestehende Studien unterstreichen bereits, dass sich Investments in erneuerbare Energien bereits nach wenigen Jahren auch wirtschaftlich lohnen. MI-CHI erlaubt es uns, dies auch in schwer zugänglichen Regionen der Erde zu testen. Wir wollen zeigen, dass sich Investitionen in klimaneutrales Arbeiten finanziell rentieren und vielfachen sozialen Mehrwert bringen. In den Flüchtlingslagern in Westuganda beispielsweise haben wir für 225.000 Euro insgesamt 15 Bohrlöcher mit Solarpumpen ausgestattet. Diese sind leichter zu warten als dieselbetriebene Pumpen, benötigen keine fossilen Brennstoffe, um verlässlich Wasser zu liefern, und haben dementsprechend einen geringeren Effekt auf die Qualität von Luft- und Grundwasser.

Da wir nicht-vermeidbare Emissionen auf absehbare Zeit kompensieren müssen, wenn wir klimaneutral arbeiten wollen, denken wir auch hier über verschiedene Möglichkeiten nach. Bisher kompensieren wir Emissionen aus Dienstreisen über unseren Partner Klima-Kollekte. 2020 haben wir trotz Pandemie immer noch 104 Tonnen CO₂ aus Dienstreisen für 2.603 Euro kompensiert. 2021, mit der Rückkehr regelmäßigerer Dienstreisen, ist die Rechnung viel höher. So haben wir für 405 Tonnen mehr als 10.000 Euro bezahlt. Der freiwillige Emissionsmarkt bietet viele Möglichkeiten zum Erwerb von Zertifikaten. Es ist uns wichtig, hier nicht ins Greenwashing zu verfallen. Wir wollen und werden durch unseren Zertifikatserwerb ausschließlich Kompensationsprojekte unterstützen, die wie wir ein menschenzentriertes Weltbild haben und sozialen Nutzen über rein kommerziellen Erfolg stellen.

Mehr intern kompensieren

Zusätzlich steigen wir dieses Jahr in ein Klimakompensationsprojekt der österreichischen Organisation Horizont3000 in Uganda als Partner ein. Wir investieren einen niedrigen fünfstelligen Betrag an Eigenmitteln, um ein bestehendes Projekt zu skalieren, welches energiesparende Kochöfen an Haushalte verkauft und so zu einer Einsparung an CO₂-Emissionen vor Ort beiträgt, geprüft und zertifiziert durch den Gold Standard. Ein Teil dieser so generierten Zertifikate wird in unsere Bilanz eingespeist, so dass wir weniger Emissionen mit extern gekauften Zertifikaten kompensieren müssen. Dieses Kooperationsprojekt ist für uns ein Testballon, um uns intern Kapazitäten aufzubauen und Strukturen zu schaffen, mit denen wir langfristig Kompensationsprojekte in Eigenregie durchführen werden.

Der Autor:

Matthias Witt ist Lead for Global Business Development and Climate Finance bei Malteser International

matthias.witt(at)malteser-international.org

Mehr Informationen:

CO₂-Kompensation: www.klima-kollekte.de