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Aktualisiert am 29.05.2020 - 04:18

Wachsenden Ansprüchen begegnen

Wissenschaftler und Autor Quernheim © Quernheim

Bei der Suche nach einem Seniorenheim gehen Pflegebedürftige und Angehörige immer akribischer vor. Pflegewissenschaftler und Autor German Quernheim erklärt, wie Träger Kunden überzeugen können.

Nur selten beschäftigen sich Seniorinnen und Senioren frühzeitig mit der Frage, in welches Pflegeheim sie später ziehen möchten. In den meisten Fällen müssen Angehörige den Auswahlprozess starten, weil der Vater oder die Mutter bereits erkrankt ist. Wenn dann ein Leben in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich ist, werden Patienten aus der Akut- oder Reha-Einrichtung direkt in die Langzeitpflege entlassen.

Internet bietet Prüfergebnisse und Checklisten

EinigeBetroffene sichten zunächst die Kassenportale im Internet, wie zum Beispiel den Pflege-Navigator der AOK, und achten auf die Prüfergebnisse zur Pflegequalität in den Pflege-Transparenzberichten. Anschließend wählen sie die infrage kommenden Einrichtungen und starten mit Besichtigungen unter folgenden Leitfragen: Wie wirkt die Atmosphäre? Wie aufmerksam erscheinen die Mitarbeitenden? Wie geht man mit Anregungen oder Beschwerden um? Welchen Eindruck macht der Zustand der Bewohnerinnen und Bewohner? Welche Serviceangebote wie Fahrdienste, Seelsorge oder Wäscheservice gehören zu den Grundkosten oder müssen extra gezahlt werden? Gute Pflegequalität hat selbstverständlich ihren Preis. Aber teure Heime bieten nicht immer bessere Pflege an als  günstigere Anbieter. Eine Checkliste der Bertelsmann Stiftung gibt Angehörigen und Pflegebedürftigen weitere Impulse bei ihrer Suche nach dem passenden Pflegeheim.

Interessenten haben hohe Erwartungen

Leider bieten manche Pflegeheime zu wenige attraktive Veranstaltungen an. Ein klassischer Sitztanz oder banale und ritualartige Zusammenkünfte ohne jegliche Themengestaltung schrecken oft ab und nähren Vorurteile vom drögen Altersheim. Gute Einrichtungen erfragen bereits bei der Aufnahme von Bewohnerinnen und Bewohnern nicht nur die klassische Biografie, sondern sie erstellen aus ihr Lebensbücher oder Collagen, auf denen nach und nach wissenswerte Details eingetragen werden. Für einen guten Draht zu den Bewohnerinnen und Bewohnern sind solche Angaben unentbehrlich: Welchen Beruf hatte die oder der Pflegebedürftige? Welche Hobbys, Liebhabereien, Reisen und große Feste prägten das bisherige Leben? Ratgebersendungen und Broschüren machen solche Methoden in der Pflege für eine breite Öffentlichkeit publik. Deshalb treten Interessenten mit einer deutlich höheren Erwartungshaltung an die Pflegeheime heran.

Mitarbeiterzufriedenheit ist ausschlaggebend

Angehörige oder Pflegebedürftige auf Heimsuche gehen immer ausführlicher vor. Sie fragen bei der Heimauswahl sogar, ob den Mitarbeitenden ein Studium oder praxisrelevante Fort- und Weiterbildungen angeboten werden und ob die Personaldecke groß genug ist, dass sie auch daran teilnehmen können. Einige Heimleitungen äußern ihr Erstaunen über solche Detailfragen, bereiten sich aber auf sie vor. Als Geheimtipp gilt unter Pflegeheimsuchenden die Recherche der Mitarbeiterzufriedenheit bei Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie beispielsweise Kununu. Manchmal finden sich dort Aussagen zur Kultur des Hauses. Diese prägt auch den Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Schlechte Arbeitsbedingungen sprechen sich schnell herum. Die Kultur eines Unternehmens spürt bereits jede Praktikantin und immer häufiger formulieren gefrustete Mitarbeitende Negativeinträge in den sozialen Netzwerken. Beliebte Arbeitgeber gelten dabei als echte Marke. Idealerweise hören auch potentielle Mitarbeitende davon, dass man in der Einrichtung gerne und gut arbeitet.

Wenn die Mitarbeitenden eines Pflegeheims oder einer anderen Einrichtung eine Kultur der Wertschätzung und Freundlichkeit erleben, geben sie das oftmals auch an die Bewohnerinnen und Bewohner weiter. Wenn Mitarbeitende vom Führungsstil und den gelebten Werten der Einrichtung schwären, ist ihr Image positiv. Das zieht nicht nur Bewerberinnen und Bewerber an, sondern auch Interessenten für Heimplätze.

Der Autor

Dr. German Quernheim ist Krankenpfleger, Diplom-Pflegepädagoge und Pflegewissenschaftler. Als Fachbuchautor, Dozent und Coach arbeitet er an Pflege- und Bildungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

kontakt(at)german-quernheim.de

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