Managementexperte fordert mehr Zuversicht

Organisationsforscher Ringlstetter © Contec GmbH
Die Sozialwirtschaft braucht eine zuversichtliche Haltung, um Veränderungen konstruktiv zu gestalten, sagt Organisationsforscher Max Ringlstetter. Entscheidend dafür sei das Verhalten der Führung.
„Die Branche braucht Zuversicht.“ Das sagte Max Ringlstetter, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Organisation und Personal an der Katholischen Universität Ingolstadt auf dem Contec Forum.
Optimismus nicht gleich Zuversicht
Ringlstetter trennte zwei Begriffe, die im Alltag oft verwechselt werden. „Zuversicht ist nicht das gleiche wie Optimismus. Optimismus ist etwas Passives. Etwa auf einen Lottogewinn zu hoffen, ist optimistisch, aber nicht zuversichtlich“, so der Wissenschaftler.
Zuversicht sei eine aktive Ressource, betonte er. Man brauche sie gerade dann, wenn Informationen fehlen und kein fertiger Lösungsplan existiert. Sie entstehe dort, wo Menschen trotz Unsicherheit handlungsfähig bleiben. „Nicht zuletzt braucht Zuversicht Handlungsspielraum. Gleichzeitig müssen die Handlungen wirksam und auf Erfolg ausgerichtet sein“, so Ringlstetter.
Zuversicht ist kontextabhängig
Ringlstetter verwies darauf, dass Zuversicht kein statisches Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern je nach Situation schwankt. „Wir sind je nach Kontext unterschiedlich zuversichtlich. Eine Person kann im Sport oder Beruf zuversichtlich sein, beim Dating jedoch ständig vom Misserfolg ausgehen.“ Dasselbe beobachte man in Organisationen: Führungskräfte könnten in manchen Abteilungen fest an die Umsetzung von Plänen glauben, in anderen dagegen eine Kultur des Scheiterns erleben.
Zuversicht ist erlernbar
Besonders wichtig war Ringlstetter ein Punkt: Zuversicht könne gezielt aufgebaut werden. Er empfahl, Handlungsspielräume bewusst zu schaffen, eigene Erfolge wachzuhalten und sich nicht von negativen Fokussen dominieren zu lassen: „Erfolge sollten wir stetig erinnern und in ihnen schwelgen. Der Fokus auf Misserfolge schadet.“ Gleichzeitig warnte er vor blindem Schönreden. Es gehe um eine realistische Einschätzung und um kurze, berechenbare Planungszeiträume, um Handlungen wirksam zu gestalten.
Zuversicht im Team fördern
Führungskräfte hätten entscheidenden Einfluss auf das Zuversichtsniveau ihrer Teams. „Führungskräfte sollten Vorbild sein und eine zuversichtliche Haltung vorleben.“ Mitarbeitende müssten die Chance bekommen, selbst zuversichtlich zu handeln. Dafür brauche es Raum: „Sie brauchen ein gewisses Maß an eigenen Handlungsspielräumen“, sagte der Managementexperte.
Eine konstruktive Fehlerkultur sei zentral. „Mitarbeitende für Fehler zu bestrafen, wirkt destruktiv“, so Ringlstetter. Eine offene, ehrliche Kommunikation über Herausforderungen erhöhe hingegen die Selbstwirksamkeit. „Es hilft zu sagen, dass etwas nicht einfach wird, die Person die Aufgabe aber bewältigen kann“, sagte er.
Das Contec-Forum findet am 28. und 29. Januar in Berlin statt. Unter dem Motto ‚Willkommen in der Disruption‘ diskutieren 250 Teilnehmende aus Sozial- und Pflegewirtschaft, Wissenschaft und Politik die Herausforderungen der Branche.
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