Strategieexperte ruft Träger zu mehr Gestaltungswillen auf

Strategieexperte Baltes auf dem Contec Forum in Berlin © Contec GmbH
Sozialunternehmen müssen jetzt handeln, um ihre Zukunft aktiv mitzugestalten, sagt Strategieexperte Guido H. Baltes. Das Instrument dafür seien kleine, divers besetzte Teams für Innovation.
In einer Ära der radikalen Unsicherheit müssten Organisationen veränderungsfähig und responsiv sein, sagt Guido H. Baltes, Direktor des Instituts für strategische Innovation und Transformation an der Hochschule Konstanz, auf dem Contec Forum in Berlin. „Veränderungsbereitschaft ist die Voraussetzung für Innovation“, so Baltes.
Software und KI gegen Personalmangel
Die Wohlfahrt müsse sich auf härtere Zeiten einstellen. Die Anzahl der Menschen auf dem Arbeitsmarkt werde in den kommenden Jahren immer weiter sinken, weil Babyboomer in Rente gingen und das Potenzial an Arbeitskräften ausgeschöpft sei. Gleichzeitig werde der Finanzierungsdruck auf die Branche zunehmen. Träger müssten daher künftig noch viel stärker auf Software und Künstliche Intelligenz setzen, um dieselbe Leistung mit weniger Mitarbeitenden zu erbringen. „Der Druck ist so hoch, dass es massive Innovationen in diesem Bereich geben wird“, prognostiziert der Experte.
Wenn Organisationen in Zeiten großer Umbrüche nur eine geringe Fähigkeit zur Veränderung hätten, müssten Entscheider die Herausforderungen mit Ambidextrie angehen, mit ‘Beidhändigkeit’. Der Begriff meint, dass Unternehmen den täglichen Betrieb am Laufen halten und gleichzeitig neue, innovative Konzepte austesten. Dafür empfiehlt der Experte ein eigenes, kleines Team für Innovation, das mit möglichst wenig Restriktionen innerhalb der Organisation wie ein Start-up agieren kann.
Diverse Teams können Innovation befeuern
Wichtig sei, dass das Team mit starken Individuen und möglichst divers besetzt sei. „Es bringt nichts, in ein Team aus fünf Männern mit ähnlicher Ausbildung eine Frau für mehr Diversität zu integrieren“, warnt der Wissenschaftler. Diversität funktioniere nur, wenn alle Dimensionen berücksichtigt würden. „Eine konfliktreiche Zusammenarbeit ist gewollt, um brillante Ergebnisse zu erzielen“, erläutert Baltes. Das sei das genaue Gegenteil der konsensorientierten Kultur im Gesamtunternehmen.
Dafür sei es notwendig, dass Führungskräfte in bestimmten Bereichen einen Kontrollverlust zulassen. „Es wird nicht gehen ohne Freiräume und den Mut, ins kalte Wasser zu springen“, so Baltes. Gerade den Deutschen falle das im internationalen Vergleich schwer, weil sie besonders zur Unsicherheitsvermeidung neigten.
Das Contec-Forum findet am 28. und 29. Januar in Berlin statt. Unter dem Motto ‚Willkommen in der Disruption‘ diskutieren 250 Teilnehmende aus Sozial- und Pflegewirtschaft, Wissenschaft und Politik die Herausforderungen der Branche.
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