KI strategisch gestalten

CEO Eckardt © Philip Schunke
Künstliche Intelligenz ist in vielen Sozialunternehmen längst Teil des Arbeitsalltags. Elke Eckardt, CEO der Evangelischen Heimstiftung ruft dazu auf, eine klare KI-Strategie zu erarbeiten.
Elke Eckardt, CEO der Evangelischen Heimstiftung, rief beim Management- und Personalkongress Soziale Arbeit in Bochum dazu auf, den Einsatz Künstlicher Intelligent nicht dem Zufall zu überlassen. „Entweder wir entscheiden uns aktiv für einen Rahmen, oder die Nutzung von KI passiert unkontrolliert durch die Hintertür", sagte Eckardt. Sozialunternehmen sollten den Einsatz von KI nicht bewusst, strategisch und wertebasiert gestalten.
Gerade Tools wie ChatGPT seien vielerorts bereits auf privaten Smartphones oder einzelnen Arbeitsplätzen im Einsatz. Oft fehlten aber klare Leitlinien, sagt Eckardt. Vor diesem Hintergrund habe sich die Evangelische Heimstiftung bewusst dafür entschieden, eine eigene KI-Strategie zu entwickeln und diese eng mit der Gesamtstrategie des Unternehmens zu verbinden.
Als einer der größten gemeinnützigen Träger der Altenhilfe mit rund 11.000 Mitarbeitenden, über 15.000 betreuten Menschen und etwa 170 Standorten stehe die Organisation unter hohem Veränderungsdruck, so Eckardt. Ein zentrales Ziel der KI-Strategie sei es, Mitarbeitende im Alltag spürbar zu unterstützen, etwa durch Prozessautomatisierung, vereinfachte Dokumentation oder bessere Datenanalysen. Gleichzeitig spiele der Fachkräftemangel eine große Rolle. Bemerkenswert sei der Effekt auf die Arbeitgeberattraktivität. Die Offenheit für neue Technologien wirke sich positiv auf Bewerbungen aus.
Frühe Einbindung der Menschen
Wesentlich für den Erfolg sei die frühe Einbindung von Führungskräften gewesen. In Workshops hätten rund 70 Mitarbeitende Ziele, Erwartungen und Grenzen intensiv diskutiert. Die Heimstiftung habe sich dabei bewusst für eine interne Moderation entschieden. „Strategieentwicklung darf nicht losgelöst vom Alltag stattfinden – sie muss aus der Organisation selbst kommen,“ sagte die Vorstandschefin.
Neben den Chancen sprach Eckart auch über Risiken. Datenschutz, Mitbestimmung, Transparenz und klare Verantwortlichkeiten seien von Beginn an Bestandteil der Strategie. Statt umfangreicher Regelwerke setze die Evangelische Heimstiftung auf verständliche, praxisnahe Leitlinien. „Wir brauchen keine fünfzigseitigen Papiere, sondern Regeln, die im Alltag wirklich Orientierung geben,“ sagt sie. Ein weiterer Schwerpunkt liege auf Qualifizierung und Kulturwandel. Neben rechtlichen Grundlagen gehe es vor allem darum, Anwendungskompetenz aufzubauen und Berührungsängste abzubauen.
Entscheidend sei nicht, ob eine Organisation KI einsetze, sondern ob sie ihre Haltung kläre, Ziele definiere und Mitarbeitende mitnähme. „KI soll Menschen entlasten – nicht ersetzen. Und genau daran messen wir ihren Einsatz,“ sagt Eckardt.
Über 100 Teilnehmende aus Sozialwirtschaft, Politik und Verwaltung kamen beim Management- und Personalkongress Soziale Arbeit im Deutschen Bergbaumuseum Bochum zusammen, um über aktuelle Entwicklungen im Bereich Personal und Management zu diskutieren. Veranstaltet wurde der Kongress vom Beratungsunternehmen Contec gemeinsam mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.
sabine_haupt(at)t-online.de