"Ich bin eine politische Frau"

Gaby Hagmans © Caritas Frankfurt
Die Arbeit in katholischen Verbänden prägt Gaby Hagmans Leben. Als Frau an der Spitze eines großen Caritasverbands muss sie auch gegen überholte Rollenbilder kämpfen.
Alter: 51
Arbeitgeber: Caritasverband Frankfurt
Funktion: Caritasdirektorin
Ausbildung: Psychologie (Diplom), Bankkauffrau, NGO-Management, Systemische Familientherapie
Gaby Hagmans ist seit ihrem 14. Lebensjahr in katholischen Verbänden aktiv. 1997 stieg sie von der Diözesan- zur Bundesvorsitzenden des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend auf. Ab 2003 war sie für zehn Jahre Bundesgeschäftsführerin des Sozialdiensts katholischer Frauen Gesamtvereins (SkF). „Ich bin eine politische Frau und liebe die Arbeit in Gremien, in denen man etwas gestalten kann“, sagt Hagmans. Nach den zehn Jahren beim SkF habe sie aber das Gefühl gehabt, sich weiterentwickeln zu müssen. „Ich war noch keine 50 Jahre alt, da musste noch etwas Neues kommen“, sagt Hagmans. Deshalb bewarb sie sich 2014 bei der Caritas Frankfurt und bekam die Stelle als Direktorin.
Sie habe auch mit dem Gedanken gespielt, die katholische Szene zu verlassen. Sie bekam Angebote für Jobs in Ministerien. „Aber die habe ich abgelehnt, ich bin ein zu großer Freigeist für diese Art von Arbeit“, sagt Hagmans. Die 51-Jährige hat vor und während ihrer beruflichen Laufbahn viele Kompetenzen erworben. Sie hat ein Diplom in Psychologie, ist Bankkauffrau und hat längerfristige Ausbildungen in NGO-Management und systemischer Familientherapie absolviert. „Ich kann das alles bei meiner Arbeit gut gebrauchen“, sagt sie.
Angesprochen auf die Tatsache, dass sie eine der wenigen Frauen an der Spitze eines großen freigemeinnützigen Sozialunternehmens ist, sagt Hagmans: „Es herrscht oft noch die Idee vor, dass man als Leitungskraft auf den Tisch hauen und sich durchsetzen muss.“ Wenn dann beim Bewerbungsgespräch eine Frau sitze, die eher auf Verständigung und Ruhe setzt, hätte diese aufgrund ihres partizipativeren Führungsstils gegebenenfalls weniger Chancen. Überholte Rollenbilder können aber auch in die andere Richtung wirken, weiß Hagmans. Frauen hätten ihr schon vorgeworfen, keine richtige Frau zu sein, weil sie wie ein Mann entscheide.