Reformpläne erhöhen die Planungsunsicherheit
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„80 Prozent der Kliniken sind aktuell nicht kapitaldienstfähig“

© Maskot Images/Shutterstock.com

Enrico Meier, Direktor des Marktbereichs der SozialBank, warnte auf dem DRG-Forum vor der kritischen Lage vieler Krankenhäuser. Viele seien derzeit nicht in der Lage, zu investieren.

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation sind die meisten Krankenhäuser derzeit nicht in der Lage zu investieren, Kredite zu bedienen und drängende Nachhaltigkeitsthemen anzugehen. Wegen der bevorstehenden Krankenhausreform ist die Planungsunsicherheit für Kliniken zusätzlich erhöht. Enrico Meier, Direktor des Marktbereichs der SozialBank, fasste auf dem DRG-Forum 2024 in Berlin die kritische Lage vieler Krankenhäuser in einem Satz zusammen: „80 Prozent der Kliniken sind aktuell nicht kapitaldienstfähig.“ Auf der Impulse-Stage der jährlichen Großkonferenz für das Klinikmanagement diskutierte er zusammen mit Hafid Rifi, CFO der Asklepios Kliniken, unter der Moderation von Dr. Klaus Goedereis über das wohl wichtigste Thema in diesem Jahr: Krankenhausfinanzierung.

Akute Liquiditätsprobleme bei vier von fünf Krankenhäusern

Ein Großteil der Krankenhäuser steht vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Laut Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) erwarteten zuletzt fast 80 Prozent für 2023 ein negatives Jahresergebnis. Mehr als 70 Prozent rechneten damit, dass sich ihre wirtschaftliche Situation 2024 weiter verschlechtert. Das sind die schlechtesten Umfragewerte seit Einführung des Krankenhaus-Barometers im Jahr 2000. Die Lage der Krankenhäuser in Deutschland ist dramatisch, und die Kliniklandschaft verändert sich in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit und Intensität.

„Nahezu 80 Prozent der Kliniken sind aktuell nicht kapitaldienstfähig“, berichtete Enrico Meier, SozialBank, auf dem DRG-Forum. „Das kann dazu führen, dass wir bald kritische Gespräche mit einigen Krankenhäusern führen müssen. Da wird auch über Sanierungsgutachten gesprochen werden.“ Die Liquidität, das heißt die Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit, hat bei den Krankenhäusern momentan die höchste Priorität. Die drängendsten Fragen lauten: „Wie sichere ich den Fortbestand der Klinik? Wie sichere ich die nächste Gehaltszahlung?“ Um mittel- bis langfristig überlebensfähig zu sein, ist es jedoch ebenso nötig, die Effizienz zu steigern und umfassende strategische Entscheidungen zu treffen.

Zum Auftakt des DRG-Forums in Berlin hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach den aktuellen Stand der Strukturreform im Krankenhaussektor dargestellt und strittige Punkte erläutert. Er kündigte unter anderem an, die Mittel aus dem geplanten Transformationsfonds früher zugänglich zu machen. Nach Einschätzung von Enrico Meier wird dies jedoch nicht reichen. „Die 50 Milliarden Euro aus dem Transformationsfonds bilden ein Riesenpaket. Aber es kommt zu spät“, sagte Meier. „Die Transformation in den Krankenhäusern muss jetzt beginnen, doch dafür ist das Geld nicht da.“ Auch wenn Investitionen in Teilen schon im Jahr 2025 angeschoben werden können – der Großteil werde sich auf 2026 verlagern. Damit würden die anstehenden Reformpakete zu spät liquiditätswirksam. „Das Geld muss definitiv schneller bei den Krankenhausträgern ankommen“, betonte Meier.

Frei-gemeinnützige Krankenhäuser in besonders schwieriger Situation

Im Krankenhaussektor spitzt sich die Lage unterdessen weiter zu. Frei-gemeinnützige Krankenhäuser sind von den finanziellen Engpässen besonders betroffen. Während private Krankenhausträger, die oft Teil eines größeren Verbunds sind, am Kapitalmarkt Geld aufnehmen können und öffentliche Kliniken von ihren kommunalen Trägern subventioniert werden, haben kirchliche und andere frei-gemeinnützige Krankenhäuser diese Möglichkeit nicht. Die Dramatik zeigt sich immer deutlicher. Nachdem ein Klinikbündnis unter Führung der DRK-Kliniken Berlin das Land Berlin im Herbst wegen Subventionen aus dem öffentlichen Haushalt für den kommunalen Krankenhausträger Vivantes verklagt hatte, hat im März der diakonische Klinikträger Agaplesion wegen Ungleichbehandlung Klage gegen die Stadt Frankfurt eingereicht. Auch in anderen Städten fordern frei-gemeinnützige Träger eine Gleichstellung mit kommunalen Krankenhäusern.

Aus Sicht der SozialBank sollten alle Krankenhäuser in Deutschland die gleichen Voraussetzungen haben, um ihren Versorgungsauftrag für die Daseinsvorsorge erfüllen zu können. Die Ungleichheit bei der Refinanzierung gefährdet die Versorgungssicherheit der Bürgerinnen und Bürger. „Das versuchen wir über unsere Gremienarbeit einzubringen“, berichtete Meier auf dem DRG-Forum. „Ob wir da Erfolg haben, kann ich nicht versprechen.“

Investitionen in Nachhaltigkeit nicht außer Acht lassen

Angesichts der wirtschaftlichen und strukturellen Unsicherheit werden wichtige Themen zur Unternehmensentwicklung und den Nachhaltigkeitsanforderungen sowie notwendige Investitionen abgebrochen oder auf der Prioritätenliste nach hinten geschoben. Dabei ist Nachhaltigkeit auch betriebswirtschaftlich kein weiches Thema, das vertagt werden kann, sondern eine strategische Managementaufgabe zur Sicherung des Zugangs zu Finanzmitteln in der Zukunft.

„Nachhaltigkeit ist kein Wunschkonzert, sondern Managementpflicht“, betonte Meier auf dem DRG-Forum. „Die ESG-Berichtspflicht wird für das Geschäftsjahr 2025 schlagend werden. Wir gehen davon aus, dass mehr als 50 Prozent der Krankenhausträger betroffen sein werden. Als Bank sind wir der verlängerte Arm der EU und müssen die Nachhaltigkeitskonformität der Investitionen prüfen, die wir finanzieren.“ Krankenhäusern, die die erforderlichen Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen, drohen künftig erhebliche Zusatzbelastungen bei der Finanzierung. „Am Ende wird der Zugang zum Geld- und Kapitalmarkt erschwert werden. Es kann zu Zinsaufschlägen kommen. Es kann auch dazu kommen, dass Banken nicht mehr in der Lage sind, Kredite zu vergeben, wenn Krankenhäuser das ESG-Rating nicht bestehen“, sagte Meier. „Das muss nicht schon 2025 oder 2026 sein, aber bald. Für uns ist wichtig zu wissen: Haben sich die Krankenhausträger auf den Weg gemacht? Es muss eine Nachhaltigkeitsstrategie geben.“

Dabei stehen die Krankenhäuser nicht allein da. Die SozialBank und ihre Beratungsgesellschaft SozialGestaltung unterstützen sie auf allen Ebenen, um das Beste aus der jeweiligen Situation herauszuholen. „Unsere Erfahrung zeigt: Viele Reformen kommen zu spät in den Krankenhäusern an“, so Meier. „Daher ist es wichtig, dass wir als strategischer Finanzierungspartner mit der Managementebene ins Gespräch kommen – damit wir Szenarien durchrechnen und die Zukunftsfähigkeit sicherstellen können.“

Die SozialBank unterstützt die Veröffentlichung und Verbreitung dieses Beitrags.