„Die Mission nicht verlieren“

Prof. Jan Tietmeyer © Philip Schunke
Innovationsforscher Jan Tietmeyer rät auf dem Management- und Personalkongress Soziale Arbeit zu einem Umdenken. Die Branche stehe vor schweren wirtschaftlichen und demografischen Herausforderungen.
Sozialmanagement-Experte Jan Tietmeyer hat Managern von Sozialunternehmen dazu aufgerufen, neue Ansätze auszuprobieren. Um die Wirksamkeit ihrer Angebote zu erhöhen, solle sich die Sozialwirtschaft von Vertrautem wie der Einzelfallfinanzierung lösen, sagte der Professor für Innovation, Entrepreneurship und Management an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen auf dem Management- und Personalkongress Soziale Arbeit in Bochum.
Die Fallfinanzierung schaffe wirtschaftliche Anreize, die mit der Wirksamkeit kollidierten, begründet Tietmeyer seinen Vorschlag. Beispielsweise führten die Anreize dazu, dass einzelne Fälle länger und intensiver betreut würden als erforderlich. Zugleich würden strukturelle Themen nicht bearbeitet.
Experte ruft zu Kooperation auf
Tietmeyer schlägt der Sozialwirtschaft zudem vor, Angebote zu stoppen, die sich beispielsweise durch digitale Alternativen ersetzen ließen oder sich als unwirtschaftich erwiesen hätten. So könnten Unternehmen nötige Ressourcen freisetzen. Der Professor rät den Wohlfahrtsunternehmen zu einer verstärkten Kooperation bei Themen wie Digitalisierung oder Innovation. Zudem spricht er sich für Managementmethoden aus, die systematisch und frühzeitig darauf abzielen, die Wirkung der sozialen Angebote zu verbessern.
Die aktuellen Herausforderungen der Sozialwirtschaft ergeben sich laut Tietmeyer vor allem aus der komplexen wirtschaftlichen Lage, dem demographischen Wandel und dem daraus folgenden Mangel an Arbeitskräften. Die Reputation der Wohlfahrtsbranche in der Öffentlichkeit nehme zudem eher ab. Der Managementexperte rät Unternehmen daher dazu, innerhalb des eigenen Einflussbereichs wirksame Lösungen zu entwickeln. Ziel müsse es sein, das die Sozialwirtschaft ihren Fokus auf den Menschen bewahren könne.
Rund 110 Teilnehmende aus Sozialwirtschaft, Politik und Verwaltung kamen beim Management- und Personalkongress Soziale Arbeit im Deutschen Bergbaumuseum Bochum zusammen, um über aktuelle Entwicklungen im Bereich Personal und Management zu diskutieren. Veranstaltet wurde das Forum vom Beratungsunternehmen Contec gemeinsam mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.
sabine_haupt(at)t-online.de