KI in der Sozialwirtschaft

Der Mensch lenkt, die Maschine unterstützt

Prof. Dennis Klinkhammer. © Philip Schunke

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt. In der Keynote zum Management- und Personalkongress Soziale Arbeit ordnete Dennis Klinkhammer Chancen, Grenzen und konkreten Nutzen praxisnah ein.

Wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann, ohne professionelle Verantwortung aus der Hand zu geben, erläuterte Dennis Klinkhammer, Professor an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management, in seiner Keynote beim Management- und Personalkongress Soziale Arbeit im Deutschen Bergbaumuseum Bochum.

Zu Beginn räumte Klinkhammer mit gängigen Vorstellungen von KI auf: „Was wir heute als KI nutzen, sind keine denkenden Roboter, sondern statistische Verfahren, die Muster erkennen.“

KI ersetzt nicht Expertise

Im Kern gehe es um Machine Learning und datenbasierte Analysen. Aktuelle KI‑Systeme könnten weder soziale Arbeit noch fachliche Expertise ersetzen. Auch in Zukunft würden sie das nicht leisten. „Keine KI, die wir heute haben, kann soziale Arbeit, professionelle Erfahrung oder Leitungsentscheidungen ersetzen, und das wird auch so bleiben“, führte Klinkhammer aus.

Stattdessen liege die Stärke von KI darin, Unterstützung zu bieten. Sie könne Informationen strukturieren, Hinweise geben und komplexe Muster sichtbar machen. Gerade dort, wo viele Fälle, knappe Ressourcen und Entscheidungsdruck zusammenkommen, könne KI helfen, den Überblick zu behalten.

KI zeigt relevante Unterschiede auf

Klinkhammer verdeutlichte dies an Beispielen aus der Praxis, etwa bei der Einschätzung komplexer Falllagen, bei der Organisation von Angeboten oder bei der Frage, wo genauer nachgesteuert werden muss. KI könne Fachkräften helfen, relevante Unterschiede zwischen Fällen schneller zu erkennen.

Ein weiteres Feld sei der niedrigschwellige Erstkontakt. Digitale Assistenzsysteme könnten Hemmschwellen abbauen, etwa indem sie Informationen verständlicher aufbereiten oder erste Orientierung geben. Studien zeigten, dass solche Angebote häufig eher genutzt würden als direkte persönliche Kontakte. „Digitale Erstkontakte werden oft offener genutzt als Gespräche mit echten Menschen“, sagte Klinkhammer. Nicht würden Menschen sich trauen, sich anderen Menschen anzuvertrauen. Ein Gespräch mit einem Chatbot könne ein niedrigschwelliger Anfang sein.

Kernaussagen aus der Keynote

  • KI ist kein denkender Akteur, sondern arbeitet mit statistischen Verfahren und Mustererkennung auf Basis von Daten.
  • Professionelle Verantwortung bleibt beim Menschen. Soziale Arbeit, fachliche Expertise und Leitungsentscheidungen können und sollen nicht durch KI ersetzt werden.
  • Der Mehrwert von KI liegt in der Unterstützung, etwa beim Strukturieren von Informationen, beim Erkennen relevanter Muster und beim Umgang mit komplexen Falllagen.
  • KI kann Fachkräfte entlasten, indem sie hilft, Unterschiede zwischen Fällen schneller sichtbar zu machen und den Überblick unter Zeit‑ und Ressourcendruck zu behalten.
  • Digitale Erstkontakte können Zugänge öffnen. KI‑gestützte Assistenzsysteme senken Hemmschwellen und ermöglichen einen niedrigschwelligen Einstieg, bevor ein persönliches Gespräch folgt.

Über 100 Teilnehmende aus Sozialwirtschaft, Politik und Verwaltung kamen beim Management- und Personalkongress Soziale Arbeit im Deutschen Bergbaumuseum Bochum zusammen, um über aktuelle Entwicklungen im Bereich Personal und Management zu diskutieren. Veranstaltet wurde der Kongress vom Beratungsunternehmen Contec gemeinsam mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.

Iris Röthig
roethig(at)wohlfahrtintern.de