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Leiharbeit
Aktualisiert am 09.01.2020 - 12:21

Zeitarbeiter werden noch gebraucht

Vorsitzender Radbruch © DEKV/Hans-Christian Plambeck

Zeitarbeit sei unter den jetzigen Bedingungen noch unverzichtbar, sagt Christoph Radbruch, DEKV-Vorsitzender. Das MDK-Reformgesetz könne daran nichts ändern.

  • Leiharbeiter seien weiterhin nötig, um fehlende Mitarbeiter zu ersetzen, sagt der Vorsitzende Christoph Radbruch.
     
  • Einen generellen Trend zur Zeitarbeit gebe es jedoch nicht.
     
  • Die im MDK-Reformgesetz beschlossene Einschränkung der Refinanzierung führe zu Mehrkosten für Kliniken, die auf Zeitarbeit angewiesen seien.

Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) unterstütze zwar alle gesetzlichen Regelungen, die Leiharbeit überflüssig machen, sagte der Vorsitzende Radbruch gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Doch auch neue gesetzliche Regelungen würden nicht zu einem Ende der Leiharbeit in der Pflege führen, weil es nicht genug Pflegepersonal gebe. Zeitarbeiter seien daher nötig, um Personalschwankungen auszugleichen.

Zahl der Leiharbeiter gesunken

Radbruch zufolge wird Leiharbeit in Kliniken und Heimen schon heute nur genutzt, wenn es keine Alternative gibt. Einen generellen Trend zur Zeitarbeit sieht der Vorsitzende nicht. Die Zahl der Beschäftigten in der Pflege sei 2018 um 2,1 Prozent gestiegen, die Zahl der Zeitarbeiter in diesem Bereich jedoch um 11,7 Prozent gesunken.

Das MDK-Reformgesetz sei ein guter Kompromiss, weil die Krankenkassen danach zwar die Tariflöhne für Leiharbeiter refinanzieren, nicht aber zusätzliche Vermittlungskosten. Der Vorsitzende weist aber darauf hin, dass das Gesetz zu Mehrkosten für die Kliniken führe, denn die seien teilweise auf Zeitarbeiter angewiesen, um die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten.

Individualisten profitieren von Zeitarbeit

Leiharbeit sei vor allem in Regionen verbreitet, in denen Pflegefachkräfte fehlten. Das sei in Metropolen und Ballungsgebieten, aber auch in ausgedünnten ländlichen Regionen der Fall, so Radbruch. Leiharbeiter würden sich aus unterschiedlichen Gründen für diese Arbeitsform entscheiden. Manche Fachkräfte wollten so verschiedene Arbeitgeber kennenlernen, andere seien Individualisten und profitierten von wechselnden Teams.

Nachteile für Stammbelegschaft

Zu Problem kommt es dem Vorsitzenden zufolge, wenn zu viele Leiharbeiter in einer Klinik zum Einsatz kommen. „Belastungen für die Stationsteams können entstehen, wenn fest angestellte Mitarbeitende unattraktive Arbeiten und Schichten übernehmen müssen, weil Leiharbeitende ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen können.“ Zudem könne Leiharbeit Mehrarbeit verursachen und die Stammbelegschaft müsse sich immer wieder auf neue Mitarbeitende einstellen. br

 

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