Pflexit II

Politik soll Umbuchungstricks verhindern

Der Gesetzgeber soll bei der Ausgliederung der Pflege aus den Fallpauschalen nachbessern. Umbuchungstricks von Krankenhäusern müssten verhindert werden, forderte GKV-Experte Wulf-Dietrich Leber.

GKV-Experte Leber © Wohlfahrt Intern

BERLIN – „Das Herausbrechen der Pflegekosten aus den DRGs und die Finanzierung der Selbstkosten ist ein Fehler“, sagte Leber. Die Selbstkostendeckung werde zu einer Maximierung der Kosten führen. Der Fokus auf Leistung gehe dabei verloren, kritisierte der Abteilungsleiter Krankenhaus des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Pflegekräfte würden bald wieder eingesetzt zum Spiegel putzen, der Altenpflege und Rehakliniken drohe der Ausverkauf. So würden viele Pflegekräfte in die besser zahlenden Krankenhäuser wechseln.

Altenhilfe vergessen

Dass die Politik die Pflege zu einem zentralen Thema erhoben habe, sei eigentlich der Altenpflege geschuldet, nicht der Pflege im Krankenhaus. „Wir haben eine Art politischen Kollateralschaden erlebt“, sagte Leber. So gebe es seit 2007 immer mehr Vollkräfte in der Pflege, gleichzeitig sinke aber die Zahl der Belegungstage. Die immer ältere Bevölkerung liege nicht mehr im Krankenhaus, sondern in den Altenheimen. Daher sollten die 13.000 neuen Stellen in der Altenpflege geschaffen werden, nicht in der Krankenhauspflege.

Am Vergütungssystem über Fallpauschalen will der Experte festhalten. Das DRG-System stehe aber vor großen Herausforderungen. So müssten auf lange Sicht die Investitionskosten integriert oder neue Vergütungsformen im Grenzbereich zur ambulanten Versorgung gefunden werden. „Bislang gibt es nicht einmal eine Unterscheidung zwischen Tagesfällen mit und ohne Übernachtung“, kritisierte Leber. Qualitätszu oder -abschläge müssten ins DRG-System eingebaut werden.

Vorhaltungen bei Notfallversorgung finanzieren

Weiter stehe eine gesetzliche Initiative zur Reform der Notfallversorgung an, die bundesweit zu möglichst einheitlichen Strukturen führen solle. So brauche es eine eigene Vergütung für Integrierte Notfallzentren. Auch Vorhaltungen in der Notfallversorgung müssten stärker in den Fallpauschalen berücksichtigt werden.

Leber kritisierte zudem das offensichtliche Digitalisierungsdefizit in Krankenhäusern. Es brauche ein System, wo Belegung und Personal zusammengeführt werden. Viele Klagen über Bürokratisierung ließen sich mittels Digitalisierung lösen. Ähnliches gelte für die bislang unzureichende Risikoadjustierung bei den Personaluntergrenzen. Es sei ein großer Unterschied, ob drei frischoperierte Patienten auf einer Station lägen oder nicht.

Mehr als 1.500 Teilnehmer und 150 Referenten waren zum 18. Nationalen DRG-Forum nach Berlin gekommen. Das Forum gilt als eines der wichtigsten Diskussionsplattformen für Krankenhausmanager und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft. dh

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