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Coburg Inklusiv
Aktualisiert am 24.03.2020 - 14:47

Mitarbeiter protestieren gegen diakonische Übernahme

Mitarbeiter der heilpädagogischen Einrichtung Coburg Inklusiv protestieren gegen die Diakonie Bayern. Die ehemaligen Paritäter sind mit dem Wechsel des Verbands überhaupt nicht glücklich.

  • Mitarbeiter der Coburg Inklusiv lassen prüfen, ob das Unternehmen kirchlich ist.

  • Der Betriebsrat fordert Bezahlung nach TVöD, die Diakonie lehnt das ab.

  • Der neue Geschäftsführer soll die Belegschaft nicht ausreichend über einen Trägerwechsel informiert haben, kritisiert der Betriebsrat.

Mitarbeiter der heilpädagogischen Einrichtungen von Coburg Inklusiv protestierten gegen ihren neuen Arbeitgeber, die Diakonie Coburg. Derzeit lässt der Betriebsrat von einem Anwalt prüfen, ob es sich bei den ehemaligen Paritätern um ein kirchliches Unternehmen handelt. Denn die Mitarbeiter sind nach einer Übernahme unfreiwillig zu einer Tochtergesellschaft der Diakonie Coburg geworden. Nun sollen sie nach den Arbeitsvertragsrichtlinien für Einrichtungen, die der Diakonie Deutschland angeschlossen sind (AVR DD), bezahlt werden. „Bei betrieblicher Übernahme müssen Mitglieder der Diakonie das Arbeitsrecht der Diakonie anwenden, auch Tochterfirmen“, teilt die Diakonie Bayern mit.

Fachkräfte könnten abwandern

Die Mitarbeitenden sehen das anders. „Der neue Geschäftsführer hat uns ausgetrickst“, sagt Betriebsratsmitglied der Coburg Inklusiv Susanne Schmehle. Das Unternehmen sei ohne Absprache mit den Beschäftigten in den Besitz einer Tochterfirma der Diakonie Coburg übergegangen. Der Geschäftsführer der Coburg Inklusiv, Franz Schön, äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage zu den Vorwürfen der Belegschaft.

Mit einem Flashmob protestierten die Beschäftigten gegen die Anwendung der AVR DD. Langjährige Mitarbeiter könnten abwandern, wenn sie nach diesem Vertrag bezahlt würden, fürchtet der Betriebsrat. Zusammen mit den Gewerkschaften Verdi und GEW fordern die Mitarbeiter eine Vergütung nach TVöD. Zudem solle der rechtlich verankerte Betriebsrat weiter erhalten bleiben und nicht einer kaum handlungsfähigen Mitarbeitervertretung weichen, so die Forderungen weiter.

Gehälter entwickeln sich unterschiedlich

Die Diakonie Bayern versteht die Vorwürfe nicht. „Die Auseinandersetzung ist für uns nicht nachvollziehbar, da die Mitarbeiter nicht schlechter gestellt werden“, sagt ein Sprecher. Laut GEW Bayern beziehen Sozialpädagogen knapp 1200 Euro jährlich mehr, wenn sie unter TVöD arbeiten. Für Erzieher ist der Unterschied größer. Sie sollen im TVöD 8000 Euro mehr pro Jahr bekommen, wenn man ein Mittel aus der gesamten Lebensarbeitszeit berechnet.

Dem Wohlfahrt Intern Entgeltvergleich zufolge bekommen Sozialpädagogen und Erzieher in hohen Erfahrungsstufen nach den AVR DD tatsächlich weniger als nach TVöD. So verdienen Sonderpädagogen nach AVR DD nach fünf Jahren rund 6250 Euro mehr als nach TVöD. Nach 25 Jahren im Beruf haben Sozialpädagogen nach AVR DD dann aber jährlich rund 1100 Euro weniger als nach TVöD in der Tasche. Gleiches gilt bei Erziehern. Nach fünf Jahren im Beruf bezieht diese Berufsgruppe nach AVR DD jährlich 1723 Euro mehr als nach TVöD. Nach 25 Jahren verdienen Erzieherinnen und Erzieher der Diakonie Deutschland dann 1934 Euro weniger im Jahr als ihre Kollegen im öffentlichen Dienst.

Coburg Inklusiv ist ein Tochterunternehmen der Diakonie Coburg. Es besteht aus einem Netzwerk heilpädagogischer, gemeinnütziger Unternehmen. Dazu zählen eine Frühförderung, eine Kita, zwei Schulen, eine Beratungsstelle und ein sozialpädiatrisches Zentrum. ct

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