Contec Forum

Mitarbeiter angemessen vergüten

Der Versuch, über mehr Regulierung die Diskussion über die Vergütung von Pflegepersonal zu beenden, ist zu kurz gegriffen. Auch mit einem bundesweiten Tarifvertrag steht man im Wettbewerb mit anderen Trägern.

Teilnehmende der Podiumsdiskussion © Wohlfahrt Intern

BERLIN - "Uns muss niemand erkären, dass gute Arbeitsbedingungen und Gehälter wichtig sind, um Personal zu finden", sagte Herbert Mauel, Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter (bpa), auf dem Contec Forum weiter. Die wettbewerbliche Ausrichtung der Branche sei Regulierung genug, es brauche keinen allgemeingültigen Tarifvertrag, so Mauel. Mit mehr Geld sei außerdem das Personalproblem nicht gelöst. Der bpa habe mit den AVR konkurrenzfähige Vergütungen, er wolle aber innerhalb des Wettbewerbs verhandeln können.

Kein Gegenüber für Verhandlungen vorhanden

"Wir wollen gerne für bessere Vergütungen verhandeln, aber wir finden oftmals kein Gegenüber", sagte Grit Genster, Leiterin des Bereichs Gesundheitspolitik bei Verdi. Bei vielen Einrichtungen müssten Haustarifkämpfe geführt werden. Dazu müsse wochenlang gestreikt werden, um die Arbeitgeber überhaupt an den Verhandlungstisch zu bringen. "Der TvöD wird weiterhin Leitwährung bleiben, auch bei den Verhandlungen über einen allgemeingültigen Tarifvertrag", so die Bereichsleiterin. Momentan habe Verdi eine Tarifkommission gebildet, die Forderungen wie Urlaub, Höchstarbeitszeit und Gesundheitsschutz diskutiere.

Instrumente für Tarifvertrag sind Zwanginstrumente

"Ein bundesweiter Tarifvertrag ist nicht realistisch", sagte Wolf Reuter, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Beiten Burkhardt Rechtsanwaltsgesellschaft. Es gebe viel Gegenwehr und die Instrumente, um einen solchen Tarifvertrag durchzusetzen, seien Zwangsinstrumente und Notpflaster. Das vorhandene System funktioniere und sollte nicht so leicht über Bord geworfen werden, so Reuter.

Bisherige Verfahren sind bewährt

"Wir haben fundamentale Diskussionen zwischen der freien Wohlfahrtspflege und Verdi geführt und halten das Undenkbare für denkbar", sagte Jürgen Kruttschnitt, Vorstand Finanzen, Personal, Organisation, Recht und Wirtschaft beim Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung. Die Frage der Lohngerechtigkeit sei eine Verfahrensfrage, so Kruttschnitt. Die bisherigen Verfahren durch kirchliche Kommissionen und Tarifverträge im zweiten Weg seien bewährt. rv

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