DRK Wohlfahrtskongress

Innovationen müssen auch scheitern dürfen

Wohlfahrtsverbände müssten noch mehr soziale Innovation wagen, forderte Steven Ney von der HPI School of Design Thinking auf dem DRK Wohlfahrtskongress in Berlin. Zu oft herrsche noch Angst vor Experimenten.

Professor Ney © Wohlfahrt Intern

BERLIN - Es liege im Wesen von Innovation, dass Erfolg und Misserfolg erst nach der Implementierung sichtbar würden. “Man kann es nicht wissen, bevor man es nicht ausprobiert hat”, so Ney. Wohlfahrtsverbände müssten den Mut für innovative Experimente aufbringen, denn sie hätten die notwendigen Kapazitäten. “Innovationen können scheitern“, sagte Ney. Deshalb gehöre auch Frustration dazu. Aber wer scheitere, können daraus lernen.

Verbände nutzen soziale Medien zu wenig

Die freie Wohlfahrtspflege müsse enger zusammen arbeiten und gemeinsame Aktionen planen, sagte Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Die Menschen seien zunehmend in ihren sozialen Netzwerken isoliert. Die Verbände müssten dieser Entwicklung entgegenwirken und in sozialen Netzwerken präsenter sein. „Verbände nutzen die Möglichkeiten der sozialen Medien noch zu wenig“, kritisierte die Wissenschaftlerin. Dabei seien diese ein wichtiger Faktor für sozialen Wandel.

Die Verbände seien noch nie so wichtig wie heute gewesen, sagte Allmendinger. “Aber sie tun nichts, um die von außen kommenden Erwartungen zu erfüllen, sich moderner aufzustellen.”

Arbeit vor Ort ist oft innovativ

Doris Salziger, Geschäftsführerin des DRK-Landesverbands Bremen, wandte ein, dass die Arbeit vor Ort oft engagiert und innovativ sei. „Auch im kleinsten Verband können wir etwas bewirken“, sagte die Landesgeschäftsführerin. In Bremen zeigten die Menschen Interesse an der Arbeit des Roten Kreuzes. „Wenn wir da mit unserem Wagen vor Ort sind, kommen wir immer schnell mit den Leuten ins Gespräch“, so Salziger. Das gebe auch Impulse für die eigene Arbeit.

Ein positives Beispiel sei das neue Innovationslabor des Landesverbands Bremen. Auf der Plattform könnten junge Menschen ihre Ideen für soziales Engagement austauschen, erzählte Salziger. So könne man jungen Menschen vermitteln, dass soziales Engagement Spaß mache.

Projektbasierte Arbeit erschwert Innovation

Wohlfahrtsverbände seien die letzte Institution, die im sozialen Bereich einen stabilen Rahmen lieferten, sagte Michael Löher, Vorstand des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge. Die Verbände befänden sich aber per Definition in einer komplizierten Lage, denn sie müssten drei verschiedene Rollen ausfüllen: Sie seien gleichzeitig Anwälte der Hilfsbedürftigen, Lobbyisten und wirtschaftliche Unternehmen. „Das lässt sich nicht immer vereinen“, so Löher.

Manchmal würden die Verbände zu wirtschaftlich denken. Das zeige sich unter anderem in der Bezahlung der Mitarbeiter. Das liege aber nicht nur an den Trägern, sondern vor allem an der mangelnden Refinanzierung. „Das ist ein echter Systemfehler“, so Löher. Auch die projektbasierte Arbeit erschwere Innovation. „Projekte, die nur zwei Jahre laufen, fahren vor die Wand und sorgen für Unzufriedenheit“, warnte der Vorstand.

Der diesjährige Wohlfahrtskongress des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin mit etwa 350 Teilnehmenden steht unter dem Motto ‚Wandel. Weitsicht. Wohlfahrt‘. Vertreter aus Verbänden, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren die Bedeutung des Sozialen und die Rolle der Wohlfahrt in Zeiten gesellschaftlichen Wandels. br

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