ConSozial 2017

Inklusion besser organisieren

Es braucht mehr Orte der Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Diese Forderung stellte Ulrich Maly, Vizepräsident des Deutschen Städtetages, bei der Auftaktdiskussion der ConSozial auf. Im Mittelpunkt standen weiter die Organisation von Zuständigkeiten und die Eingliederung in den Arbeitsmarkt.

Vizepräsident des Deutschen Städtetages Ulrich Maly

NÜRNBERG – Das diesjährige Motto der größten Branchenmesse der Sozialwirtschaft ist ,Zukunft Inklusion‘.

„Es ist noch viel Luft nach oben“, sagte Maly weiter. Barrierefreiheit im öffentlichen Raum reiche allein nicht aus. „Der wichtigste Schritt beim Thema Inklusion ist der Abbau der Barrieren in den Köpfen der Menschen.“

Mittel effizienter einsetzen

Der Vizepräsident des Deutschen Städtetages sprach auch die Finanzierung und Umsetzung von Inklusion an: „Durch das föderale System und die verschiedenen Sozialgesetzbücher stoßen verschiedene Zuständigkeiten aufeinander.“ Diese Zuständigkeiten müssten besser kommuniziert und die Systeme kompatibler gestaltet werden, um einen effizienten Mitteleinsatz zu gewährleisten.

Alois Glück, ehemaliger Präsident des bayerischen Landtages, unterstrich vor allem die Fortschritte beim Thema Inklusion: „Noch nie waren Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum so akzeptiert wie jetzt.“ Es sei Normalität, Menschen mit Behinderung beispielsweise im Wirtshaus zu treffen. Darauf entgegnete die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele: „Dann braucht das Wirtshaus aber auch einen barrierefreien Zugang.“

Bentele hob vor allem die Probleme hervor, mit denen Menschen mit Behinderung nach wie vor konfrontiert sind. „Umbaumaßnahmen müssen schneller umgesetzt und Hilfsmittel schneller zur Verfügung gestellt werden“, sagte sie. Bentele wies auch auf die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention hin, die sie als Bibel für die Rechte von Menschen mit Behinderung bezeichnete.

Arbeitgeber besser aufklären

Auch Valerie Holsboer, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, sprach über Verbesserungspotentiale. „Man kann sich über den Status quo freuen, muss aber auch neue Dinge anpacken“, sagte sie. Arbeitgeber bräuchten eine bessere Beratung, welche Angebote und Hilfestellungen es für die Einstellung von Mitarbeitern mit Behinderung gibt. „Wir müssen besser erklären und aufklären“, gab Holsboer zu.

Stephan Johannes Reinhold ist einer der Arbeitgeber, die die Bundesagentur für Arbeit erreichen will. Er ist Geschäftsführer des Fotodienstleisters Cewe. „Die Beratung durch die Bundesagentur zur Einstellung von Mitarbeitern mit Behinderung nimmt viel Zeit in Anspruch“, bemängelte er. Er kritisierte außerdem, dass Unternehmen sich über eine Ausgleichsabgabe aus der Pflicht freikaufen können, Menschen mit Behinderung einzustellen. „Die Abgabe müsste verdoppelt werden, damit Unternehmen anfangen nachzudenken“, forderte Reinhold.

Inklusion bleibt Megathema

Die bayerische Sozialministerin, Emilia Müller, eröffnete die Con Sozial. Sie stellte die Bedeutung der Messe als größtes Sozialforum Deutschlands und Leistungsschau der Branche heraus. „Die inklusive Gesellschaft ist nicht nur die gerechtere, sondern die bessere Gesellschaft“, sagte Müller. Auch sie wies darauf hin, bei der Inklusion sei schon viel erreicht worden. Ein Megathema bleibe sie aber nach wie vor. sd

Einen ausführlichen Berich lesen Sie in der nächsten Ausgabe von Wohlfahrt Intern.

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