Notfallversorgung

Digitalisierung scheitert am Föderalismus

Der Rettungsdienst in Deutschland ist auf eine dichtere Verzahnung mit digitaler Technik angewiesen, sagt Nicolas Basse von der Björn Steiger Stiftung. Der Weg zur flächendeckenden Einführung sei jedoch steinig.

Stiftungs-Büroleiter Basse © Wohlfahrt Intern

  • Die Länderzuständigkeit im Rettungsdienst erschwert die flächendeckende Einführung von digitalen Innovationen in der Notfallversorgung.
  • Die unterschiedliche Ausstattung von Notrufleitstellen in Deutschland steht einheitlichen digitalen Standards ebenfalls im Weg.
  • Apps und Softwares könnten schon heute viele Leben retten.

„Die Pfade im Gesundheitswesen sind verschlungen“, sagte Basse beim Fachgespräch ,Chancen der Digitalisierung in der Notfallversorgung nutzen‘ des Paritätischen Gesamtverbands in Berlin. Basse leitet das Hauptstadtbüro der Björn Steiger Stiftung, die sich für eine Verbesserung der Notfallhilfe und des Rettungswesens in Deutschland einsetzt. Es gebe schon viele digitale Anwendungen, die Leben retten können, doch scheitere eine Finanzierung und Übernahme in die Regelversorgung unter anderem daran, dass der Rettungsdienst Ländersache ist.

App könnte 10.000 Leben im Jahr retten

Basse stellte die App Mobile Retter vor, die in lebensbedrohlichen Notfällen ehrenamtliche Ersthelferinnen und -helfer in der Nähe alarmiert. Im Idealfall erreichen diese den Notfallort viel schneller als der Rettungsdienst und können mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen beginnen. 100.000 Menschen würden in Deutschland jedes Jahr infolge eines Herz-Kreislauf-Stillstands sterben. „Die App Mobile Retter könnte 10.000 von ihnen retten“, sagte Basse. Eine Landesweite Einführung der App würde 15 bis 20 Millionen Euro im Jahr kosten.

Software greift auf Smartphone-Kamera am Unfallort zu

Günter Huhle vom Start-up Corevas plädierte für eine zentrale Selbstverwaltung der Leistungserbringer im Rettungsdienst, die die digitale Transformation beschleunigt. Corevas hat die Software Emergency Eye entwickelt, die es Notrufleitstellen ermöglicht, auf den Standort und die Kamera von Smartphones an einem Unfallort zuzugreifen. So können die Disponenten in den Leitstellen die Rettungskräfte an den richtigen Ort schicken und bildunterstützt Hilfe leisten. „Wir haben mit Emergency Eye einen Standard geschaffen, den man in ganz Deutschland nutzen könnte“, sagte Huhle. Doch da der Rettungsdienst Sache der Länder und Kommunen sei, müsste das Start-up erst alle 250 Leitstellen in Deutschland von dem Produkt überzeugen. Das dauere zu lange.

Unterschiedliche Ausstattung von Leitstellen kritisiert

Dirk Heidenblut (SPD), der als Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags für Rettungsdienst, Notfallversorgung und Digitalisierung zuständig ist,kritisierte die unterschiedliche Ausstattung in den Notrufleitstellen. So würde der Spitzenverband der Krankenkassen Modellprojekte aufsetzen, die sich nicht in jeder Leitstelle gleich umsetzen ließen. Außerdem würden nicht alle Länder an solchen Projekten teilnehmen wollen.

„Bei der Digitalisierung in der Notfallversorgung stehen wir noch am Anfang“, sagte Bernhard Gibis, Leiter des Dezernats ärztliche Leistungen und Versorgungsstruktur der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Warum es im Rettungsdienst in den Bundesländern unterschiedliche Vorgänge und Standards in den Leitstellen gibt, sei nicht mehr erklärbar.

Der Paritätische Gesamtverband in Berlin hat das Fachgespräch ,Chancen der Digitalisierung in der Notfallversorgung nutzen‘ organisiert. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden, Kassen und des Bundestags diskutierten über digitale Innovationen in der Notfallrettung. sd

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