Pflegekonferenz 2017

Digitalisierung ist kein Allheilmittel

Pflegenotstand, Innovationen sowie tarifpolitische Forderungen standen im Mittelpunkt der diesjährigen Berliner Pflegekonferenz. Der ehemalige Bürgermeister von Bremen, Henning Scherf, forderte die Dezentralisierung von Altenheimen. Die Einrichtungen müssten wieder in die Nachbarschaft integriert werden.

BERLIN - In solchen Generationsquartieren sollen alte Menschen wieder das Gefühl erhalten, gebraucht zu werden. „Es kann nicht sein, dass man zum Außenseiter wird, just wenn es einem anfängt, schlecht zu gehen“, kritisierte Scherf. Als Vorbild für eine gute Integration alter Menschen nannte er die Niederlande.

 

Besser alt werden in den Niederlanden

 

Wie eine solche Versorgung aussehen könnte, skizzierte Betty Meyboom de Jong, Professorin für allgemeine Medizin an der medizinischen Hochschule in Groningen. Das Projekt BeterOud – auf Deutsch besser alt – hat zum Ziel, für eine bessere Infrastruktur in der Nachbarschaft zu sorgen. Auch schwer pflegebedürftige Menschen sollen davon profitieren. Dafür werden Nachbarn, Angehörige sowie professionelle Pfleger oder Einrichtungen in Netzwerken zusammengeschlossen. BeterOud-Präsidentin Meyboom: „Altern ist keine Krankheit, sondern eine neue Lebensphase.“

 

Auch die niederländische Institution Humanitas will Alt und Jung zusammenbringen. Dafür baut Humanitas Mehrgenerationenhäuser. Alte Menschen sollen darüber ermutigt werden, sich wieder in der Gesellschaft zu engagieren. „Um das zu erreichen, kooperieren wir mit zahlreichen anderen Organisationen“, sagt Gea Sijkes, Geschäftsführerin der Humanitas Deventer.

 

Spagat zwischen Arbeit und Pflege meistern

 

Dilek Kolat, Pflegesenatorin von Berlin strich die Rolle der häuslichen Pflege sowie der Angehörigen in der Pflege heraus. 75 Prozent der Pflegebedürftigen würden zuhause versorgt, 200.000 Angehörige leisteten dabei einen wesentlichen Beitrag. „Pflege gehört in die Mitte unserer Gesellschaft. Pflege geht uns alle an“, konstatiert Dilek Kolat.

Der Spagat zwischen Pflege und Arbeit müsse deshalb auch von Arbeitgebern mehr berücksichtigt werden. Kolat fordert Tarifverträge für Pflegekräfte, eine verlässliche Personalbedarfsplanung, ein ausgedehnteres Ausbildungssystem im Pflegebereich und die Unterstützung angehöriger Pflegender. In der Digitalisierung der Pflege sieht sie ein nützliches Hilfsmittel, aber kein Allheilmittel.

 

Technische Pflegeinnovationen in der Praxis

 

Ein Forum auf der Berliner Pflegekonferenz befasste sich mit technischen Hilfsmitteln in der Pflege. Nach Ansicht von Hubertus Vrijhoef, Leiter der Versorgungsforschung an der Universität Maastricht, ist E-Health für Menschen mit chronischer Krankheit wichtig, um im Alltag allein zurechtzukommen und stets einen Überblick über ihre gesundheitliche Situation zu haben.

So misst er dem Telemonitoring, die elektronische Übermittlung von biologischen und gesundheitlichen Daten eines Patienten an den Arzt, große Bedeutung bei. Die medizinischen Einrichtungen müssten sich daher bemühen, alte Menschen an diese Technologie heranzuführen. „Dieser Prozess ist heterogen, der je nach Bedürfnis individuell angewendet und umgesetzt werden muss“, konstatiert Vrijhoef.

 

Diesem Standpunkt schließt sich auch die Ingenieurin Christine Weiß an: Um lange im eigenem Zuhause leben zu können, bedürfe es Technologie zum Managen des Alltags, beispielsweise ein Sturz- und Notfallerkennungssystem, erläutert die stellvertretende Leiterin des Bereichs Demografischer Wandel und Zukunftsforschung beim Verein Deutscher Ingenieure sowie Elektroingenieure (VDI/VDE-IT) an. Spezifische Pflegetechnologie sei sekundär.

 

Roboter als eine Antwort auf den Pflegenotstand

 

Rainer E. Becker setzt auf die praktische Anwendung. „Man muss Produkte in der Praxis erproben, um ihre Innovation zu sehen“, sagt der Vertriebsmanager beim Roboterhersteller Entrance Robotics. Er verweist auf seine Ausflüge mit dem menschlich aussehenden Roboter ‚Pepper‘ in Altenheime. Die Reaktion der Senioren ließe erkennen, ob sie das Produkt mögen oder nicht.

Der sprechende Roboter zaubere ein Strahlen in das Gesicht vieler Senioren. Als Ersatz für menschliches Pflegepersonal betrachten sie ihn jedoch nicht. Becker sieht Technologie in der Pflege als Mittel für Bewegungs- oder Gehirntraining. Es gäbe aber in gesellschaftspolitischer und rechtlicher Hinsicht noch viel zu tun. Als Beispiel nannte er den Datenschutz. sh

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