Strategie

Digitalisierung der Branche hat noch Luft nach oben

Wer noch nicht in den digitalen Wandel eingestiegen ist, ist nicht verloren, sagt Wilhelm Bauer, Geschäftsführer des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Die Branche sei insgesamt noch nicht weit.

IAO-Leiter Bauer © Wohlfahrt Intern

FRANKFURT – Digitalisierung sei ein Prozess, so der Experte weiter. Also nichts, was von jetzt auf gleich funktioniere. Wichtig sei, dass Führungskräfte den Wandel aktiv vorantrieben, da bei zu viel Passivität nichts oder alles unorganisiert geschehe.

Neue Geschäftsmodelle entwickeln

In Big Data, also der Erfassung und Verwertung großer Datenmengen, sieht der Experte das größte Potential für die Sozialwirtschaft. Schon heute gebe es in den Einrichtungen Massen an Daten über Patienten. Nur würden sie noch nicht systematisch erfasst oder genutzt. Auch Künstliche Intelligenz biete etwa in der Radiologie und überall dort, wo es um Mustererkennung gehe, große Chancen.

Digitalisierung könne helfen, bestehende Prozesse zu optimieren. Sich darauf zu beschränken, sei aber zu kurz gedacht, warnte der Experte. Es gehe auch darum neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, um die betriebliche Existenz künftig zu sichern. Felder seien etwa die Verwertung großer Datenmengen, der Einsatz von Roboter- und Sensortechnologie oder von Chatbots.

Bei der Umsetzung Experten ranlassen

Als Hürden bei der Digitalisierung identifizierte Bauer, dass Pflege in erster Linie Beziehungsarbeit und eine personennahe Dienstleistung sei und deshalb nicht als solche digitalisierbar. Auch seien die ältere Generation und viele Pflegekräfte nur wenig vertraut mit Technik. „Ältere müssen hier noch lernen oder das Feld Jüngeren überlassen. Es bietet sich etwa an, einen Experten fürs Datensammeln einzustellen“, so Bauer. Man müsse nicht alles selber machen, aber man müsse es machen.

Weiter erschwere es der gesetzliche Rahmen, neue Geschäftsmodelle zu etablieren. „Die Politik übersieht bei der Digitalisierung die Sozialwirtschaft“, sagte Bauer. Die Lobbyarbeit der Verbände sei hier gefordert, damit sich das ändere. Auch die fehlende Marktreife vieler Produkte und Technologien sei noch ein Hindernis. Schließlich fehle es in vielen Unternehmen auch noch an einer Strategie. „Machen Sie eine Bestandsaufnahme, entwerfen Sie einen Plan und gehen dann in die Umsetzung“, riet er den anwesenden Führungskräften.

Auf Fort- und Weiterbildung setzen

Die Transformation geschehe insgesamt langsam, weil Fachkräfte fehlten. Die Sozialwirtschaft stehe dabei in Konkurrenz zu anderen Branchen, die auch nach gut ausgebildeten ITlern suche. Deshalb seien besonders Fort- und Weiterbildungen für die eigenen Mitarbeiter wichtig. Bei der Umsetzung gehe es darum, die technischen Möglichkeiten auch zu nutzen. „Wenn Sie Videokonferenzen technisch machen können, dann setzen sie das Werkzeug auch tatsächlich ein“, gab er ein Beispiel. Was funktioniere, zeige sich erst im Ausprobieren. „Also probieren Sie Dinge aus“, riet er.
  
Gut 200 Gäste waren am Dienstag zum Impulstag Digitale Transformation nach Frankfurt gekommen, darunter Geschäftsführer und Vorstände von Sozialunternehmen der Caritas, Fachexperten sowie Vertreter der Dienstgeber- und Mitarbeiterseite der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas. Veranstalter war die Dienstgeberseite der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbands. dh

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