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Integration
Aktualisiert am 12.04.2019 - 15:43

Die Integrationsdebatte blendet die Vielfalt aus

Präsident Toprak © Wohlfahrt Intern

Säkulare Migrantenorganisationen fühlten sich allein gelassen, sagte Ali Ertan Toprak, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände, auf dem Wichernempfang. Die Debatte konzentriere sich zu sehr auf den Islam.

BERLIN - Die Integrationsdebatte werde zu einseitig geführt, kritisierte der Präsident. „Wir reden immer nur über den Islam und die Muslime, aber die Migrantengemeinschaften sind vielfältiger.“ Viele der fünf Millionen Muslime seien zudem gar nicht religiös. „Religion ist nur eine von vielen Identitäten und für viele nicht die wichtigste.“

Kaum Dialog mit säkularen Organisationen

Viele Migrantenorganisationen seien enttäuscht, dass sich Gewerkschaften, Parteien und Kirchenorganisationen auf Islamverbände konzentrierten und die Vielfalt ausblendeten, so Toprak weiter. Der Dialog mit säkularen Organisationen habe immer weiter abgenommen.

Gleichzeitig bedankte sich der Präsident für die jahrelange Unterstützung der Diakonie für zahlreiche Migrantinnen und Migranten. Diakonie bedeute, Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Kultur oder Religion zu achten und wertzuschätzen.

Islamkritik gilt als rassistisch

Der Präsident kritisierte, dass Islamkritik in Deutschland schnell in die rechte Ecke gestellt werde. Wer Kritik am politischen Islam äußere, gelte als rassistisch. Verbände dürften die Positionen der reaktionären Muslimverbände nicht unkritisch übernehmen.

Das Grundvertrauen sei in Deutschland seit der Flüchtlingskrise gestört, warnte Toprak. Die Bruchlinie verlaufe quer durch den Westen sowie zwischen Kosmopoliten und Rechtpopulisten. „Die Lösung ist aber nicht Populismus.“

Gleiche Maßstäbe für Deutschen und Migranten

„Wir brauchen eine andere Debattenkultur“, forderte der Präsident. Die müsse Gegenrede und Rede zulassen, ohne moralisch zu stigmatisieren. „Zu Religionsfreiheit gehört auch Religionskritik.“ Wenn die Politik Toleranz gegenüber den Intoleranten fordere, gehe das schief. Die Gesellschaft müsse die gleichen Maßstäbe bei rechten Deutschen und rechten Migranten anlegen.

Toprak plädierte dafür, den Begriff Heimat nicht zu verteufeln, sondern ihn positiv zu besetzen. „Die Frage nach der Heimat ist eine der drängendsten Fragen unserer Zeit“, sagte Toprak. Es sei der Gegenbegriff zur Globalisierung, deshalb sei es wichtig, den Begriff mit Leben zu füllen. Eine zunehmend multikulturelle und multireligiöse Gesellschaft benötige eine Basis von Grundwerten, damit das Zusammenleben funktioniere.

Rund 170 Gäste aus Politik, Kirche, Diakonie, Wirtschaft und Wissenschaft nahmen am diesjährigen Jahresempfang der Diakonie Deutschland teil. Der Abend stand unter dem Motto ‚Diakonie mit Anderen – Zusammenhalt und Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft Deutschland‘. br

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