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Generationenwechsel
Aktualisiert am 20.05.2019 - 18:16

Demografie setzt Einrichtungen unter Druck

BWL-Professorin Jutta Rump

Die jüngeren Generationen haben andere Erwartungen an Arbeitgeber als die Babyboomer. Darauf müssen Organisationen reagieren, sagt Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability.

  • Die Generationen Y und Z sind heute das knappe Gut.
  • Jüngere Generation hat die höchste Leistungsorientierung, die je gemessen wurde. Aber die Arbeit muss Spaß machen und sinnvoll sein.
  • Technischer Fortschritt erfordert von allen große Beweglichkeit.

Die demografische Entwicklung wird die Arbeitswelt stark verändern. „Bis 2035 haben wir die Alterung in den Belegschaften und die Schieflage in der Altersstruktur“, sagte Institutsdirektorin Rump in ihrem Impulsvortrag auf dem Kongress der Sozialwirtschaft. Für die Sozialwirtschaft stelle sich die Frage, wie sie Stellen trotz Nachwuchsmangels neu besetzen kann. Als besondere Herausforderung sieht sie die parallel steigenden Kundenzahlen. Auch die Gruppe der Pflegebedürftigen würde bis 2060 bis 2070 kontinuierlich anwachsen.

Generationenwechsel führt zu Disruption

Der Generationenwechsel werde in sozialen Organisationen disruptive Auswirkungen haben, ist die Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen überzeugt. Seit den 80er Jahren ändere sich die Einstellung der nachwachsenden Generation zur Arbeit. Die Life-Balance als Lebensentwurf sei zum eigenständigen Megatrend geworden. Die unterschiedliche Einstellung zur Arbeit verdeutlichte Rump an einem Beispiel. „Wenn Bewerber im Vorstellungsgespräch im zweiten Satz nach der Life-Balance fragen, denke ich als Babyboomerin ‚wir sollten wohl erst mal etwas Leistung zeigen.“

Unterschiedliche Sozialisation ist die Ursache

Die Ursache hätte die unterschiedliche Einstellung in der Sozialisation. Die Babyboomer hätten sich durchboxen müssen, um ein Stelle zu bekommen. Die Generation Y sei hingegen das knappe Gut, das sich zudem auf eine längere Lebensarbeitszeit einstellen muss. „Jemand der heute 20 ist, muss sich damit auseinandersetzen, 50 Arbeitsjahre unterwegs zu sein“, sagte Rump.

Loyalität wird ökonomisiert

Das führe auch dazu, dass die Langfristigkeit bröckelt. Junge Menschen könnten sich zwar vorstellen, länger bei einem Arbeitgeber zu bleiben, aber nicht 30 Jahre lang. Ihr Motto sei: Öfter mal was Neues. „Die Loyalität wird ökonomisiert, weil es für sie immer eine Alternative gibt“, fasst Rump diese Einstellung zusammen. Die Wahlmöglichkeiten würden von jüngeren Menschen erheblich schneller realisiert.

Sozialkompetenz wichtiger als Fachkompetenz

Führungskräfte brauchen ein Konzept, um vor allem junge Leistungsträger an sich zu binden. Sie müssten es schaffen, Menschen in Balance zu halten. „Das macht in Zukunft einen attraktiven Arbeitgeber aus“, sagt die Wissenschaftlerin. Zudem hätten sich die Erwartungen an Führungskräfte geändert. Für die jüngere Generation habe Respekt viel mit Sozialkompetenz, weniger mit Fachkompetenz zu tun. Die Demokratisierung des Erziehungsstils habe auch dazu geführt, dass junge Menschen in Entscheidungsprozesse eingebunden werden wollen und Transparenz einfordern.

Transformationsprozess ohne Ende

Rump verwies auch darauf, dass die technische Entwicklung die Veränderungen in der Arbeitswelt weiter beschleunigen werden. Die Digitalisierung, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz oder Robotern in der Pflege werde das Qualifikationsprofil laufend ändern. Mit Unsicherheiten wie diesen müssten Einrichtungen umgehen lernen. Die Transformation der Arbeitswelt habe keinen Anfang und kein Ende mehr. Die zentrale Frage der Zukunft werde sein, Menschen mit auf diese Reise zu nehmen. Rump: „Es kommt darauf an, in Bewegung zu bleiben, ohne die Balance zu verlieren.“

Kongress der Sozialwirtschaft 2019

Der Kongress der Sozialwirtschaft in Magdeburg stand in diesem Jahr unter dem Motto ‚Führung gestaltet. Generationenwechsel – Digitalisierung – Kulturwandel.‘ 440 Führungskräfte aus der Sozialwirtschaft nahmen an der zweitägigen Veranstaltung am 16. Und 17. Mai in Magdeburg teil. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, die Bank für Sozialwirtschaft sowie der Nomos-Verlag richten den Kongress alle zwei Jahre aus. irg

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