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Werkstatt-Entgelte
Aktualisiert am 15.04.2021 - 15:25

„Die Messung von Arbeitsleistung ist überholt “

Caroline Richter und Alexander Bendel von der Univeristät Duisburg-Essen © Wohlfahrt Intern

Caroline Richter von der Universität Duisburg-Essen kritisiert die Entgeltbemessung in Werkstätten für behinderte Menschen. Die Wissenschaftlerin hat einen konkreten Verbesserungsvorschlag.

  • Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen fordert eine neue Entgeltbemessung in Werkstätten für behinderte Menschen.

  • Entgelte sollen sich an Tätigkeitsanforderungen orientieren.

  • Die derzeitigen Messkriterien seien überholt.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) fordert nach einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Universität Duisburg-Essen eine neue Entgeltbemessung in Werkstätten für behinderte Menschen. Künftig sollten sich die Entgelte auch an Tätigkeitsanforderungen orientieren, sagt Projektleiterin Caroline Richter. Dazu zählten unabhängige Kriterien wie der Arbeitsort und die Gefährlichkeit des Arbeitsplatzes.

Mitarbeitende sollen nicht nach Leistung bezahlt werden

 „Das derzeitige Gesetz ist vage, interpretationsbedürftig und zum Teil widersprüchlich“, so Richter. Da die Entgeltbemessung im Sozialgesetzbuch nicht klar definiert ist, sei die Bewertung in den Werkstätten problematisch. „Was uns immer wieder begegnet ist, das Mitarbeitende nach ihrer Freundlichkeit oder ihrem Engagement bewertet werden“, kritisiert Alexander Bendel von der Universität Duisburg-Essen. Dies lasse sich nicht objektiv beurteilen und entspreche nicht dem Stand des allgemeinen Arbeitsmarktes. Mitarbeitende würden in den Werkstätten zudem oft zu stark nach Arbeitsmenge und Arbeitsqualität zu bezahlt.

Begriffe veraltet

Werkstätten müssen Beschäftigten ein Entgelt zahlen, das aus einem Grundbetrag und einem Steigerungsbetrag besteht, der sich aus der individuellen Arbeitsleistung der behinderten Menschen ergibt. Um die Arbeitsleistung zu messen, sollen sich die Werkstätten laut SGB IX an der Arbeitsmenge und der Arbeitsgüte des Individuums orientieren. Für einen Großteil der in den Werkstätten erbrachten Tätigkeiten, wie Dienstleistungen, lassen sich die Begriffe jedoch nicht mehr anwenden, kritisiert Richter.

Die Werkstätten Messe 2021 fand zum ersten Mal digital vom 14. Bis 15. April statt. Die Veranstaltung wird durch den Messebetreiber Nürnberg Messe und die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) veranstaltet. Im Mittelpunkt steht der Inklusionsprozess von Menschen mit Behinderungen. fb

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