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Corona-Impfung
Aktualisiert am 09.12.2020 - 11:15

„Pflegeheime könnten dezentrale Impfzentren werden“

Arbeitgebervertreter Eisenreich © Home Instead

Die Corona-Impfungen für Kranke, Pflegebedürftige und alte Menschen mit Vorerkrankungen laufen an. Thomas Eisenreich, Sprecher der Ruhrgebietskonferenz Pflege, fordert ein Umdenken bei der Impfstrategie.

  • Pflegeheime und ambulante Dienste sollen in die Impfstrategien der Länder und Kommunen eingebunden werden, fordern Arbeitgeber aus der Pflege.

  • Eine Imfpung vor Ort würde den Beschäftigten in der Pflege viel Zeit sparen.

  • Hintergrund des Vorschlags der Ruhrgebietskonferenz Pflege sind die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigungen für Großimpfzentren.

Die Arbeitgeber aus der Pflege fordern mehr Einbindung in die Impfstrategien der Länder und Kommunen. „Pflegeheime könnten dezentrale Impfzentren werden und ambulante Dienste können bei der Organisation von Impftouren vor Ort eingebunden werden“, schlägt Thomas Eisenreich vom Pflegeanbieter Home Instead und Sprecher der Ruhrgebietskonferenz Pflege vor.

Zusätzlicher Zeitaufwand von drei Stunden je Pflegekraft

Auch die Impfung der Kranken- und Pflegekräfte sollte am Arbeitsort erfolgen, heißt in der Mitteilung der Arbeitgeber aus der Pflege weiter. Mitarbeitende der ambulanten Pflegedienste sollten ebenso in benachbarten Pflegeheimen geimpft werden. Impfungen im zentralen Impfzentrum bräuchten je Pflegekraft inklusive Wege und Wartezeiten bis zu drei Stunden.

„Diese Zeit fehlt dann für die Versorgung in der ambulanten und (teil-)stationären Pflege“, warnt Eisenreich. Das sei nicht zu verantworten, da es bereits jetzt an Personal fehle und die Pflegekräfte bereits mit den laufenden Tests in den Einrichtungen gefordert seien.

Gleichzeitig mit regulärer Versorgung impfen

„Wir haben hier im Christophoruswerk über 1000 Beschäftigte, die in direktem Kontakt mit den Bewohnern sind. Die müssen wir doch nicht zur Impfung in eine Halle oder ein Stadion schicken“, konkretesiert Ulrich Christofczik, ebenfalls Sprecher der Ruhrgebietskonferenz-Pflege und Vorstand des Evangelischen Christophoruswerkes in Duisburg. Die Impfung könne in den Einrichtungen zeitgleich mit der Versorgung der Bewohner erfolgen. Eine zentrale Impfung würde rund 3000 Personalstunden bedeuten. Umgerechnet seien das 75 fehlende Vollzeitkräften in der Woche.

Eine frühzeitige Einbindung der Träger und Einrichtungen in die strategischen Überlegungen zur Impfung und in die Gestaltung von Organisationsprozessen könne Reibungsverluste weitestgehend minimieren, heißt in der Mitteilung weiter. Pflegekräfte könnten eng in die Arbeit der Krisenstäbe und Impfzentren eingebunden werden, um pragmatische einrichtungsindividuelle Umsetzungsstrategien zur erarbeiten. So ließe sich die Arbeit aufteilen und Doppelanfragen vermeiden. Auch bei der Aufklärung zu den Impfstoffen und den geplanten Abläufen könnten Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag leisten.

Kassenärzte wollen Großimpfenzentren

Hintergrund des Vorschlags der Ruhrgebietskonferenz Pflege sind die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigungen für Großimpfzentren. Demnach dürften keine Begleitpersonen in die Impfzentren mitkommen. Pflege- und unterstützungsbedürftige Personen könnten so gar nicht in den Impfzentren geimpft werden, geben die Arbeitgeber aus der Pflege zu Bedenken.

In der Ruhrgebietskonferenz Pflege haben sich rund 40 öffentliche, freigemeinnützige und private Pflegeunternehmen aus dem gesamten Ruhrgebiet zur zusammengeschlossen. Als verbands- und trägerübergreifende, unabhängige Arbeitgeberinitiative repräsentieren die Arbeitgeber aus der Pflege mehr als 20.000 Beschäftigte. dh

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