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Corona-Belastung
Aktualisiert am 17.12.2020 - 14:42

„Die Menschen sind auf soziale Infrastruktur angewiesen “

Peter Neher und Ulrich Lilie © Deutscher Caritasverband / A. Jacob

Caritas und Diakonie äußern sich besorgt über die gegenwärtige Lage sozialer Angebote. Die Notlagen verschärfen sich, warnen Caritas-Präsident Peter Neher und Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.

  • Caritas und Diakonie nehmen gemeinsam Stellung zur gegenwärtigen Lage ihrer sozialen Einrichtungen.

  • Die Personalsituation in der Pflege sei die größte Herausforderung, sagt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie.

  • Die finanziellen, emotionalen und psychischen Notlagen in den Einrichtungen verschärfen sich, warnt Caritas-Präsident Peter Neher.

Caritas-Präsident Peter Neher und Diakonie-Präsident Ulrich Lilie nehmen gemeinsam Stellung zu der gegenwärtigen Lage in den beiden größten Wohlfahrtsverbänden Deutschlands. Die Personalsituation in der Pflege sei die größte Herausforderung. Corona habe gezeigt, dass das Pflegesystem dringend reformiert werden muss. „Das ist die größte sozialpolitische Aufgabe 2021“, sagt Lilie.

Vor allem für pflegebedürftige Menschen sei die Arbeit der Diakonie und Caritas häufig lebensnotwendig. „Die Menschen sind auf eine verlässliche soziale Infrastruktur angewiesen, auf Hilfe, die unsere Dienste nur anbieten können, wenn es sie noch gibt und wenn sie refinanziert werden“, so Caritas-Präsident Neher.

Soziale Einrichtungen stehen unter Druck

Soziale Einrichtungen, die nicht wie gewohnt ihre Dienste anbieten können, seien sowohl mit rückläufigen Einnahmen als auch mit zusätzlichen Aufwendungen konfrontiert. „Die Kolleginnen und Kollegen in den Beratungsstellen merken, dass sich die Notlagen verschärfen – nicht nur die finanziellen, auch die emotionalen und psychischen“, so Neher. Die Weihnachtszeit stelle eine weitere Belastung für die Einrichtungen dar.

Rettungsschirme decken nicht alles ab

Neher und Lilie verwiesen auf erste Ergebnisse einer Umfrage der Bank für Sozialwirtschaft zur finanziellen Auswirkung der Pandemie auf Sozialeinrichtungen. Demnach würden die staatlichen Rettungsschirme coronabedingte Defizite nur in gut 30 Prozent der sozialen Einrichtungen kompensieren. Es sei schon jetzt absehbar, dass über März hinaus an Lösungen gearbeitet werden muss, warnt Lilie. „Denn wir werden bis dahin mitnichten wieder in einem normalen Modus sein“, so der Diakonie Präsident.

Caritas und Diakonie beschäftigen in Deutschland zusammen rund 1,3 Millionen Mitarbeiter in 55.000 Einrichtungen und Diensten. fb

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