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AWO LV Thüringen
Aktualisiert am 27.05.2020 - 08:21

Prüfbericht lässt Streit mit Bundesverband eskalieren

Der AWO Bundesverband mahnt eine Tochtergesellschaft des Thüringer Landesverbands zur Aufklärung der aktuellen Affäre an. Die Geschäftsführung der AWO AJS hatte sich öffentlich gegen den Bundesverband aufgelehnt.

  • Der AWO Bundesverband übt heftige Kritik an der Geschäftsführung der AWO AJS, einer Tochtergesellschaft des Landesverbands.
  • Der AWO Bundesverband fordert den Governance Kodex anzuerkennen und die Affäre um zu hohe Gehälter den Tatsachen entsprechend aufzuklären.
  • Auslöser des Streits ist eine Stellungnahme der AWO AJS, in der die Geschäftsführung die Verbindlichkeit des Kodex anzweifelt und die eigenen Bezüge rechtfertig.

Der Streit um einen internen Prüfbericht der AWO bei der Tochtergesellschaft des Thüringer Landesverbands ist eskaliert. So hat der AWO Bundesverband die AWO Alten-, Jugend und Sozialhilfe (AWO AJS) aufgefordert, alle Sachverhalte den Tatsachen entsprechend aufzuklären und den AWO Governance-Kodex als maßgeblich für die Mitgliedschaft in der AWO, dem Tragen des Namens und der Nutzung der Marke AWO anzuerkennen. „Es werden Behauptungen in die Welt gesetzt, die nicht der Wahrheit entsprechen und somit der AWO – und damit meine ich insbesondere unsere Mitglieder, die Ehrenamtlichen und die Mitarbeitenden nicht nur in Thüringen – schaden“, sagte AWO Vorstandsvorsitzender Wolfgang Stadler. Das könne und werde der Verband nicht hinnehmen.

Tochter pocht auf Selbstbestimmung

Hintergrund ist eine öffentliche Stellungnahme der AWO AJS, in der die Geschäftsführung die Verbindlichkeit des AWO Governance-Kodex infrage stellt und die eigenen Bezüge rechtfertigt. „Das Handeln des AWO Bundesverbandes stellt eine massive Einmischung in die unternehmerische Selbstbestimmung dar und muss juristisch als kartellrechtliche Abrede und damit als wettbewerbswidrig gewertet werden“, heißt in dem Schreiben. Der AWO Governance-Kodex habe daher nur empfehlenden Charakter. Die Stellungnahme ist inzwischen nicht mehr online, liegt Wohlfahrt intern aber vor.

Medienberichte zitierten internen Prüfbericht

Seit Februar ist die AWO in Thüringen heftigen Vorwürfen ausgesetzt. So soll es angebliche Kungelei, überzogene Gehälter und Nepotismus bei der AWO Thüringen und der AWO AJS gegeben haben. Zuletzt hatte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel Auszüge aus dem vorläufigen Prüfbericht des Bundesverbands zur Affäre bei der AWO in Thüringen veröffentlicht. So habe einer der Geschäftsführer der AWO AJS ein Jahresgehalt von 310.000 Euro erhalten und einen Sportwagen mit 330 PS im Wert von mehr als 100.000 Euro als Dienstwagen gefahren.

Die AWO Thüringen beschäftigt rund 10.000 Arbeitnehmer. Sie verfügt über Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe, Altenpflege, Sozial- und Migrationsberatung sowie der Eingliederungshilfe. ols

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