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Kompetenzen entwickeln: Organisation
Aktualisiert am 01.10.2021 - 08:25

Wissen in Arbeitsgruppen sammeln und weitergeben

Projektmitarbeiter Reichardt © AWO in Stormarn

Ausbildende Unternehmen müssen Lerninhalte strukturiert entwickeln, sichern und teilen. Wie Träger den Wissenstransfer über Arbeitsgruppen koordinieren, erklärt Tobias Reichardt, Mitarbeiter im Projekt 'AIWA' der AWO in Stormarn.

Die AWO in Stormarn investiert seit Jahren in die Weiter- und Ausbildung von Fachkräften, etwa in Form des Dualen Studiums. Als Ausbildungsbetrieb müssen wir mehr Ressourcen mobilisieren und neue Anforderungen erfüllen. Wir müssen zum Beispiel Praxisanleiter für neue, zusätzliche Tätigkeiten qualifizieren. Wir müssen Zeit schaffen, damit sich Praxisanleiter den Auszubildenden widmen können. Die verschiedenen Ausbildungstätigkeiten müssen koordiniert werden. Und wir benötigen eine zentrale Stelle, die das Know-how sammelt, sodass nicht jeder Fachbereich oder jede Praxisanleiterin sich das Wissen bezüglich Studien- und Ausbildungsgängen immer wieder neu selbst aneignen muss.

Projekt sichert die finanziellen Mittel

Für diese Aufgaben sind wir jedoch finanziell von den Kostenträgern nicht oder nur unzureichend ausgestattet. Eine qualitativ hochwertige Weiterbildung können wir nur mithilfe von zusätzlich eingeworbenen Projektmitteln bieten. Die AWO Stormarn startete deshalb 2020 das Projekt ‚AIWA – Aufbau eines Innovations- und Wissensmanagements für die AWO in Stormarn. Wissen verankern, Fach- und Führungskräfte stärken und binden‘ mit Mitteln des Programms ‚Rückenwind+‘ aus dem Europäischen Sozialfonds. Ziel des Projekts ist es, die Weiterbildung und Organisationsentwicklung zu stärken. Das Gesamtvolumen des Projekts beträgt rund 690.000 Euro, wovon die Hälfte Zuschüsse sind. Die andere Hälfte besteht aus Eigenmitteln.

Beschäftigte mit Spezialwissen schulen Kollegen

Das Projekt ist eine Art Büro zur Koordinierung von Bildung und Wissen im Unternehmen. Es identifiziert Kolleginnen und Kollegen mit Spezialwissen und setzt sie im Rahmen von Schulungen, Beratungen und Arbeitsgruppen für den Wissenstransfer ein. Um geeignete Beschäftigte zu finden, haben wir in einer Abfrage geklärt, welche Mitarbeitenden Spezialkenntnisse und Interesse am Unterrichten haben. Die ausgewählten Kolleginnen und Kollegen erhalten so neue Aufgaben, entwickeln sich weiter und werden damit auch an den Träger gebunden.

Arbeitgruppe sichert Wissen zur Ausbildung

Ein Beispiel dafür ist eine regelmäßig tagende Arbeitsgruppe zum Thema Duales Studium im Unternehmen. Hier treffen sich die Leitungskräfte oder Praxisanleiterinnen und -anleiter der verschiedenen Einrichtungen, in denen Studierende eingesetzt werden, sowie eine Vertreterin des Personalwesens. Sie tauschen Erfahrungen aus, teilen Informationen, entwickeln Konzepte und beraten einander, etwa bei Spezial- und Problemfällen. Dadurch erleichtern sie Kollegen aus Einrichtungen, die noch keine Erfahrung mit der Anleitung von Studierenden gemacht haben, den Einstieg erheblich. Darüber hinaus werden in diesem Kreis auch Leitfäden für Ausbildung und Studium erstellt sowie aktualisiert. Auf diese Weise muss niemand bei null anfangen und erfahrene Mitarbeitende können ihr Wissen weitergeben. Das große Ziel der Arbeitsgruppe ist die Erarbeitung eines Ausbildungskonzepts für das gesamte Unternehmen.

Kollege erstellt in Eigeninitiative Lernvideos

Bei Projektbeginn im April 2020 erschwerten die Corona-Maßnahmen zunächst die Durchführung von Weiterbildungen. Wir stellten daraufhin auf digitale Kanäle um und erzielten damit nebenher einen zusätzlichen Lerneffekt. Mit digitalen Meeting-Tools konnten sich die Arbeitsgruppen treffen und die meisten geplanten Schulungen stattfinden. In der Zeit der Umstellung ergriffen einige Mitarbeitende selbst die Initiative: So hat ein Kollege begonnen, einführende Lernvideos über die Benutzung von Software zu erstellen, die wir im Unternehmen zukünftig verwenden wollen. Diese Initiative konnten wir nur mithilfe des Projekts aufgreifen und für das ganze Unternehmen nutzbar machen.

Trotz aller Schwierigkeiten haben bisher rund 120 unternehmensinterne Veranstaltungen stattgefunden. Dazu zählen Schulungen und Sitzungen von Arbeitsgruppen, die es ohne das Projekt nicht gegeben hätte. Auch wenn am Ende vielleicht manches anders gelaufen ist als geplant, lässt sich schon jetzt absehen, dass der Nutzen beträchtlich ist. Das Projekt AIWA ist ein wichtiger Baustein unserer Bemühungen, um uns für die Zukunft des Sozialwesens zu rüsten.

Der Autor:

Tobias Reichardt ist Professor im Studiengang Soziale Arbeit am Hamburger Standort der ‚IU Internationale Hochschule‘ und arbeitet im Projekt AIWA der AWO in Stormarn.

tobias.reichardt(at)awo-stormarn.de

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