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Krankenhausplanung
Aktualisiert am 08.09.2020 - 09:01

„Wir brauchen dezentrale Strukturen“

Geschäftsführerin Rümmelin © kkvd/Kirsten Breustedt

Der KKVD hält kleine Krankenhäuser für unverzichtbar. Geschäftsführerin Bernadette Rümmelin führt mehrere Erkenntnisse aus der Corona-Zeit ins Feld.

  • Das dezentrale Krankenhausnetz habe sich während der ersten Welle mit Coronainfektionen bewährt, argumentiert KKVD-Geschäftsführerin Bernadette Rümmelin.
  • Konzentration auf wenige Standorte verschärfe den Fachkräftemangel, da Pflegeleistungen auch auf dem Land gefragt seien.
  • Zudem bedürfe es einer Reform der Krankenhausfinanzierung.

Dezentrale Strukturen seien nicht nur in der Krisenzeit entscheidend für die Krankenhausversorgung, sagt Bernadette Rümmelin in einem Gastbeitrag in der ‚epd-sozial‘.  „Insbesondere in ländlichen Regionen behandelten die wohnortnahen Kliniken der Grund- und Regelversorgung zahlreiche Covid-19-Erkrankte“, so die Geschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands (KKVD).

Personalbemessung am Bedarf orientieren

Auch beim Kampf gegen den Fachkräftemangel würden sich dezentrale Strukturen als nützlich erweisen. Die Pflege brauche eine Personalbemessung, die sich am Bedarf der Patienten und den dafür notwendigen Pflegeleistungen orientiere. So sei fraglich, ob eine Konzentration auf wenige Großkliniken den Fachkräftemangel in der Pflege beheben kann. „Denn der Versorgungsbedarf der Bevölkerung orientiert sich nicht an der Anzahl der Klinikstandorte“, sagt Rümmelin.

Pauschalen setzen falsche Anreize

Zudem habe sich gezeigt, dass das System der Fallpauschalen falsche Signale sende. „Das DRG-System setzt Fehlanreize, die verstärkt werden, weil die Länder ihrer Pflicht zur Investitionsfinanzierung nicht vollumfänglich nachkommen“, sagt die Geschäftsführerin. Viele Kliniken seien unter Druck, die Leistungsmengen immer mehr auszuweiten. Wer dem hohen Wettbewerb nicht standhalte, dem drohe die Insolvenz.

Der KKVD vertritt mit 400 Standorten laut eigenen Angaben rund ein Fünftel aller Krankenhäuser in Deutschland. Dazu gehören 344 Allgemein- und Fachkliniken und 56 Reha-Einrichtungen. Rund 200.000 Mitarbeitende arbeiten in den Einrichtungen des KKVD. ols

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