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Nachwuchs gewinnen: Social Media
Aktualisiert am 25.06.2021 - 11:10

"Träger müssen Kandidaten im digitalen Raum führen"

Managerin Employer Branding Lutermann © Peter Hamel

Soziale Medien schaffen Reichweite. Doch nicht immer erreichen Träger bei der Personalsuche passende Bewerber. Katharina Lutermann, Managerin für Employer Branding der Paracelsus Kliniken, erklärt im Interview, worauf es ankommt.

Immer mehr Unternehmen rekrutieren Mitarbeitende online, doch nicht jede Kampagne ist erfolgreich. Wo hapert es häufig?

Nicht jeder Kandidat oder jede Kandidatin, die auf die Unternehmensseite gelangen, passen zum Unternehmen. Auf normalen Karriereseiten klicken durchschnittlich nur zwei bis vier Prozent der Nutzerinnen und Nutzer auf den Button ‚Bewerben‘. Dies heißt im Umkehrschluss, dass 96 bis 98 Prozent aller Personalmarketing-Aktivitäten verpuffen.

Was können Arbeitgeber dagegen tun?

Um mehr passende Bewerbungen zu erhalten, müssen Personalverantwortliche lernen, Nutzer im digitalen Raum erfolgreich zu führen. Im Mittelpunkt der Bemühungen steht immer das Karriereportal, doch Bewerberinnen und Bewerber müssen dies auch finden. Hier kommen die sozialen Medien ins Spiel. Wir fahren regelmäßig Kampagnen in den sozialen Netzwerken. Bei uns bewerben sich inzwischen durchschnittlich zehn Prozent der User, die auf eine Stellenanzeige geklickt haben, ein Fünftel davon direkt von ihrem Smartphone.

Wie schaffen Sie das?

In unseren Kanälen erhalten interessierte Kandidatinnen und Kandidaten echte Einblicke in den Arbeitsalltag. Je authentischer und näher dran die Social Media Posts sind, desto besser kommen sie bei den Zielgruppen an. Die Kommunikation muss dabei unbedingt auf Augenhöhe stattfinden. Deshalb duzen wir die Nutzerinnen und Nutzer konsequent und passen das Wording der Beiträge möglichst an die Alltagssprache an.

Welche Rolle spielt die Wahl der Plattform?

Die Plattformen erreichen unterschiedliche Zielgruppen. Während Facebook für die Generation ab etwa 40 Jahren als Plattform noch Relevanz hat, können jüngere Menschen deutlich besser über Insta-Posts und -Storys erreicht werden. Wichtig ist auch, dass die Werbung aufmerksamkeitsstark ist. Denn auf Instagram konkurrieren wir nicht mit unserem Wettbewerberkrankenhaus um die Ecke, sondern mit starken Brands wie Adidas oder Apple um die Aufmerksamkeit der User.

Mit welchem Arbeitsaufwand müssen Unternehmen rechnen?

Bei Paracelsus kümmern sich zwei Kolleginnen – neben anderen Aufgaben – darum, auf Facebook, Instagram und LinkedIn aktiv zu sein und mehrmals pro Woche zu posten. Die Zeiten, in denen soziale Medien kostenfrei Reichweite im Überfluss bescherten, sind jedoch vorbei. Gerade auf Facebook kommen Unternehmen nicht daran vorbei, für mehr Reichweite und Interaktion in den Geldbeutel zu greifen.

Angenommen, eine potenzielle Bewerberin ist auf eine Social Media-Kampagne aufmerksam geworden. Was passiert als nächstes?

Immer mehr Nutzerinnen und Nutzer landen über Suchmaschinen- oder Social Media-Marketing direkt auf der Stellenausschreibung. Unternehmen sollten deshalb nicht nur auf der Startseite des Karriereportals mit Videos, Erfahrungsberichten, Unternehmenswerten oder Benefits locken, sondern diese Informationen auch auf den Stellenanzeigen anbieten.

Woran kann es jetzt noch scheitern?

Viele Unternehmen bieten die Möglichkeit, sich online zu bewerben, doch der Prozess ist oft aufwendig. Eine Bestellung bei Amazon kann ich in einer Minute erledigen, eine Online-Bewerbung dauert gerne mal über eine halbe Stunde. Hier können sich Arbeitgeber einiges von Online-Shops abschauen. Wir bieten zum Beispiel eine Schnellbewerbung an, die sich auf drei Pflichtfelder beschränkt. Ein Dateiupload ist optional. Lebenslauf und Zeugnisse können problemlos in einem zweiten Schritt angefordert oder zum Vorstellungsgespräch mitgebracht werden. Das ist bisher sehr erfolgreich. Pro Monat erhalten wir etwa 300 Bewerbungen, die meisten davon für den Pflege- und Funktionsdienst.

Interview: Birke Carolin Resch

resch(at)wohlfahrtintern.de

 

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