Rekrutierung I

Mit eigenen Heldengeschichten punkten

Mitarbeiter von Start-ups sind für Sozialunternehmen nur begrenzt verfügbar – es sei denn, Träger klopften zum richtigen Zeitpunkt bei ihnen an, sagt Headhunter Ansgar Dierkes.

Personalberater Dierkes ©Wohlfahrt Intern

  • Träger hätten gern Mitarbeiter aus Start-ups in ihren Reihen.
  • Stress, Sinnsuche und veränderte Lebenssituation machen diese empfänglich für Angebote aus der Sozialwirtschaft.
  • Ihre erfolgreiche Integration gelingt am besten über neu gegründete  Gemeinschaftsunternehmen.

NÜRNBERG - Sozialunternehmen blickten auf die Shared Economy mit einem gewissen Neid, sagt Ansgar Dierkes, auf die Sozialwirtschaft spezialisierter Headhunter im Management Symposium der Branchenmesse ConSozial. Die Prozesse und Geschwindigkeit, mit denen dort neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden, weckten bei Trägern auch Begehrlichkeiten. Das gelte auch für die Mitarbeiter aus der Start-up-Szene, berichtet der Personalberater. Viele Träger hofften, mit Mitarbeitern aus Start-ups auch die eigenen Ideen schneller vorantreiben zu können.

Start-upler wollen Teil von etwas Neuem sein

Doch die jungen Experten seien für soziale Träger nur begrenzt verfügbar. Zum einen wollten diese in den urbanen Zentren wie Berlin, Hamburg oder München bleiben. Zum anderen habe die Gründerszene eine enorme Bindungskraft. „Die Leute wollen da nicht weg“, sagt Dierkes. Geld allein sei nicht der Grund. Vielmehr wollten sie bei etwas Neuem dabei sein, Teil einer Heldengeschichte werden.

Teams von Start-ups seien zudem sehr homogen. Die Mitarbeiter sind zwischen Anfang 20 bis Mitte 30 und in der gleichen Lebensphase. Flexibilität sei ihnen wichtig. Wenn die eigene Idee nicht mehr weiter trage, heuerten sie schnell bei anderen Start-ups an, um dort Teil einer neuen Heldengeschichte zu werden.

Neue Lebensphase für die Rekrutierung nutzen

Dennoch hält Dierkes es nicht für unmöglich, Fachkräfte aus der Start-up-Szene zu gewinnen. Sozialunternehmen müssten den richtigen Zeitpunkt für die Ansprache abpassen. Das sei vor allem der Fall, wenn die Heldengeschichten wiederholt in der Pleite endeten. „Alle arbeiten 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag. Das kann man nicht ewig machen“, sagt Dierkes. Auf Dauer wollten viele in der Branche etwas machen, was sie selber auch ernst nehmen. Dierkes: „Je überhitzter das Umfeld, desto schneller stelle sich die Frage danach.“ Auch der Eintritt in eine neue Lebensphase, etwa der Familiengründung, machten die Leute empfänglich für alle möglichen Angebote außerhalb der Szene.

Richtiges Umfeld schaffen

Dierkes warnte Träger jedoch vor zu viel Blauäugigkeit. Die Integration der branchenfremden agilen Kollegen in bestehende Strukturen sein nur begrenzt erfolgversprechend. Im Gegenteil: Es produziere mehr Probleme als es löst. „Die Leute brauchen ein Umfeld, in denen ihre Fähigkeiten auch zur Geltung kommen“, sagt der Personalberater. Dem eigenen Selbstverständnis nach seien sie eher Unternehmer, keine Angestellten. Dierkes rät, sie lieber in neu gegründete Gemeinschaftsunternehmen einzusetzen als in bestehende Strukturen zu integrieren. „Das ist näher an dem, was sie gewohnt sind“, so Dierkes weiter. Dort  könnten sie selbständiger entscheiden. Zudem müsse das  Unternehmen nicht am Trägerstandort sein, sondern könne dort aufgebaut werden, wo die Leute sind. Als Beispiel nannte er das brancheneigene Start-up Mitunsleben.

Spezialisierte Gründerszene anstreben

Für die Träger habe diese Konstruktion Vorteile. Das Risiko werde gestreut, die Netzwerke blieben erhalten. Außerdem würden mit solchen Unternehmen neue Heldengeschichten geschrieben, über die andere Beschäftigte aus den Start ups wieder angesprochen werden. „Die Sozialwirtschaft sollte eine spezialisierte Gründerszene anstreben“, sagt Dierkes. Damit fahren sie in den kommenden Jahren besser als mit der Integration ins eigene Unternehmen.

Zu Deutschlands größter Kongressmesse für die Sozialwirtschaft kamen am 6. und 7. November rund 6.000 Fach- und Führungskräfte sowie Interessierte nach Nürnberg. Die 21. Consozial steht unter dem Motto ,Gemeinsam statt einsam – sozialen Zusammenhalt stärken‘. Neben Fachvorträgen zeigen mehr als 200 Aussteller maßgeschneiderte Lösungen für die Branche. irg

 

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