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Krankenhauspolitik
Aktualisiert am 06.05.2021 - 14:24

Katholische Kliniken legen Positionen zur Bundestagswahl vor

Stellvertretender Vorsitzende Morell © KKVD/Jens Jeske

Die katholischen Krankenhäuser wollen eine dezentrale Kliniklandschaft in Deutschland. Nicht jeder Klinikstandort werde in den kommenden Jahren gebraucht, erwartet der stellvertretende KKVD-Chef Ingo Morell.

  • Der KKVD warnt in seinen Positionen zur Bundestagswahl vor einem radikalen Kahlschlag bei den Kliniken.
  • Katholische Kliniken sollten sich in Netzwerken spezialisieren.
  • Krankenhäuser sollten Vorhaltungen für Personal und Infrastruktur finanziert bekommen.

Die katholischen Krankenhäuser setzen sich für eine dezentral strukturierte Kliniklandschaft in Deutschland ein. Das geht aus dem Positionspapier zur Bundestagswahl hervor, das der Vorstand der  Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands (KKVD) beschlossen hat.

Klinik in 30 Minuten erreichen

„Reformen sind nötig und nicht jeder Klinikstandort wird in den kommenden Jahren noch gebraucht“, sagt der stellvertretender Vorsitzender Ingo Morell. Ein radikaler Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft hätte jedoch fatale Folgen. Die anhaltende Corona-Pandemie zeige, wie wichtig Reserven in der stationären Versorgung seien. Lange Wege gerade für ältere, multimorbide Menschen in ländlichen Regionen gelte es zudem zu vermeiden. Auch jungen Familien sei eine gute Gesundheitsversorgung in der Nähe wichtig. Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung sollten daher innerhalb von 30 Minuten erreichbar bleiben. „Das sichert die Daseinsvorsorge und gleichwertige Lebensverhältnisse überall im Land“, so Morell.

Regionale Verbünde aufbauen

Spezialisierung, um Behandlungsqualität zu steigern, sei auch in einem Netzwerk mehrerer Krankenhäuser möglich, schreibt der KKVD weiter in seinen Positionen. Dafür sollten sich Kliniken intelligent vernetzen und darauf konzentrieren, was jedes Haus besonders gut könne. Viele katholische Krankenhausträger bildeten bereits regionale Verbünde, erläutert Morell. So würden Doppelkapazitäten reduziert. Die Reform der Krankenhauslandschaft komme so ohne teure Investitionen für neue Großkrankenhäuser aus. Als Beleg führt der KKVD Berechnungen des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung an, wonach für eine Zentralisierung der Klinikstruktur vergleichbar zu Dänemark Neuinvestitionen von geschätzt 80 Milliarden Euro erforderlich wären.

Fallpauschalen-System ergänzen

„Die Reform der Krankenhausfinanzierung ist eine weitere wichtige Baustelle“, sagt Morell. Gerade Kliniken in ländlichen Regionen gerieten immer mehr in finanzielle Schieflagen, auch wenn sie für die Versorgung vor Ort notwendig seien. Grund seien geringerere Fallzahlen. „Daher muss das Fallpauschalen-System um Vorhalteerstattungen für Personal und Infrastruktur ergänzt werden, die unabhängig von Leistungsmengen finanziert werden“, fordert der stellvertretende KKVD-Chef.

Mehr Verantwortung für die Pflege

Außerdem fordert der KKVD, dass Pflegefachkräfte künftig eigenverantwortlich heilkundliche Tätigkeiten ausüben dürfen. Auch müsse die Akademisierung des Pflegeberufs gestärkt werden. Neue Personalmindestvorgaben in der Psychiatrie und Psychosomatik sollten moderne Versorgungsformen und den dafür erforderlichen Mix an Qualifikationen berücksichtigen. 

Der KKVD vertritt bundesweit 283 Krankenhäuser sowie 54 Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation. Die katholischen Krankenhäuser in Deutschland haben 207.000 Mitarbeitende. Jährlich versorgen sie 3,5 Millionen Patientinnen und Patienten stationär und machen einen Umsatz von 17 Milliarden Euro pro Jahr. dh

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