Kinder- und Jugendhilfe

Jugendämter müssen sich besser vernetzen

Es werde in der Jugendhilfe zu viel über Geld und zu wenig über Fachlichkeit geredet, kritisiert Martin Hoyer, stellvertretender Geschäftsführer des Paritätischen Berlin. Anlass war die Premiere des Films Systemsprenger.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion auf der Filmpremiere © Wohlfahrt Intern

  • Den Akteuren in der Jungendhilfe fehlt es an Vernetzung und der Anwendung von vorhandenem Wissen, so der Tenor auf der Podiumsdiskussion zur Premiere des Films Systemsprenger.
  • Mehrausgaben für Hilfen würden negativ wahrgenommen.
  • Es brauche mehr Prävention.

Es sei kein Zufall, dass die Mitarbeiterinnen in den Jugendämtern weiße Fahnen aus den Fenstern hängen, sagt Martin Hoyer, stellvertretender Geschäftsführer des Paritätischen Berlin. „Wir haben ein System, in dem Mehrausgaben als Defizit wahrgenommen werden“, kritisiert der stellvertretende Geschäftsführer. In den letzten zehn bis 15 Jahren sei in allen Bereichen der Jugendhilfe gespart worden. Dabei seien mehr Hilfen an sich etwas Gutes. In der Jugendhilfe brauche es fachliche Auseinandersetzungen, genügend Zeit dafür und starkes Personal.

Netzwerke bilden und nutzen

„In der Jugendhilfe scheitert es nicht am Geld“, sagt Menno Baumann, beratender Pädagoge des Films und Professor für Intensivpädagogik an der Fliedner Fachhochschule in Düsseldorf. Es gebe eine große Lücke zwischen den bereitstehenden Konzepten und Wissen sowie deren Anwendung. Man müsste Netzwerke bilden und auch nutzen, so der Pädagoge. „Ich sehe viel Potenzial in Koordinierungsstellen zwischen Trägern und Jugendamt“, sagt Baumann. Er berate Jugendämtern und versuche deutschlandweit zu vernetzen, sei dabei aber ein Einzelkämpfer.

Familien am Anfang von Konflikten stärken

„Wir müssen Familien am Anfang von Konflikten stärken, daran wird zu viel gespart“, sagt Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische-Oberlausitz. Dafür müsse man konzeptionell weiterdenken und Kontinuität im Kontakt zwischen Pädagogen und den Kindern herstellen. Dafür brauche man einzelne Fachkräfte mit besonderer Schulung.

Anlass der Podiumsdiskussion war eine Vorpremiere des Films Systemsprenger von Nora Fingscheidt. Im Film geht es um die 10-jährige Benni, die von Unterkunft zu Unterkunft, Betreuer zu Betreuer springt und nirgendwo angemessen betreut werden kann. Der Film soll die Grenzen des Kinder- und Jugendhilfesystems aufzeigen. In Berlin gebe es 30 bis 40 solcher Kinder, die mit konventionellen Hilfen nicht erreicht würden, sagt Diakoniedirektorin Eschen. rv

 

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