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Regelbetrieb
Aktualisiert am 29.06.2020 - 12:40

„In der Pandemie kann kein Vollbetrieb ohne Qualitätsverluste stattfinden“

Vorstandsvorsitzender Schlepper © Bremische Evangelische Kirche

Kitas stehen unter Druck, zum Normalbetrieb zurückzukehren. Das werde zu vielen Problemen führen, warnt Carsten Schlepper, Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder.

  • Kitas könnten für längere Zeit nicht in den Vollbetrieb zurückkehren, sagt der Vorstandsvorsitzende der Bundesvereinigung evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder, Carsten Schlepper.

  • Trotz Infektionsrisikos steige der Druck auf die Einrichtungen, mehr Betreuung anzubieten.

  • Politik, Aufsichtsbehörden, Eltern und Träger sollten sich auf einen Pandemieplan einigen.

Kindertagesstätten werden noch über längere Zeit keinen Vollbetrieb aufnehmen können. Davon ist der Diakonie-Fachverband für Kitas überzeugt. "Wir müssen uns auch im kommenden Kita-Jahr nach den Sommerferien auf eine Kindertagesbetreuung unter Pandemiebedingungen einstellen", sagte der Vorstandsvorsitzende Carsten Schlepper gegenüber dem evangelischen Pressedienst (epd). Familien müssten mit einem eingeschränkten Regelbetrieb rechnen. So werden zwar alle Kinder betreut, jedoch für eine kürzere Zeit pro Tag.

Krise verstärkt Fachkräftemangel

Die Pandemie verstärke den Fachkräftemangel, so Schlepper weiter. Einige Mitarbeitende könnten nicht in Präsenzgruppen eingesetzt werden, weil sie selber einer Risikogruppe angehörten. Dieses Problem treffe auf den Anspruch der Familien, ihre Kinder für einen ansatzweise bedarfsgerechten Stundenumfang betreuen zu lassen. "Deshalb reagieren die Länder mit Ausnahmeregelungen und lassen zu, dass der Personalschlüssel unterschritten und mit unqualifizierten Hilfskräften Engpässe ausgeglichen werden können", sagt Schlepper.

Fachliche Standards leiden

Der Druck auf Kita-Träger steige, trotz Infektionsrisiko Angebote möglichst nah an den gewohnten Betreuungszeiten der Familien auszurichten. "Unter Pandemie-Bedingungen kann die Betreuung nicht unter Wegfall von fachlichen Standards in einen wie immer gearteten Vollbetrieb überführt werden", sagt Schlepper. Der Kita-Experte fordert befristete Vereinbarungen zur Kita-Betreuung unter Pandemiebedingungen. Dafür müssten sich Politik, Aufsichtsbehörden, Träger und Elternvertreter abstimmen.

Die Bundesvereinigung evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder ist eine Interessenvertretung der Träger und Trägerverbände evangelischer Kitas. Sie vertritt 19 Landesverbände und die Fachreferate diakonischer Werke und evangelischer Landeskirchen. ct

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