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Zusammenschlüsse
Aktualisiert am 18.01.2021 - 11:01

Gemeinsame Kultur nutzen

Berater Bindewalt und Hohmann © KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Krankenhäuser stehen in der Pandemie unter noch größerem Druck. Welchen Vorteil gemeinnützige Häuser haben, erläutern Axel Bindewalt und Martin Hohmann von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Die COVID-19 Pandemie hat im vergangenen Jahr die wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser maßgeblich beeinflusst. Auch wenn sich dadurch das Transaktionsgeschehen verlangsamt hat, haben sich die aktuellen Trends zur Konsolidierung des Krankenhausmarktes fortgesetzt.

Pandemie verursacht hohe Kosten

Die derzeitige Dynamik beim Anstieg von COVID-19 Patientinnen und Patienten, die stationär behandelt werden müssen, in Kombination mit der Gewährleistung von Regelversorgungsaufgaben, stellt Krankenhäuser organisatorisch, personell und wirtschaftlich vor große Herausforderungen. Die Schaffung von größeren Intensivkapazitäten geht einher mit Mehrkosten in der Patientenversorgung, Verschiebungen planbarer Behandlungen, Kosten für zusätzliche Hygienemaßnahmen sowie dem Ausfall von Pflegepersonal.

Steigende Fallzahlen erhöhen Druck

Zwar haben im vergangenen Jahr umfangreiche öffentliche Mittel zur Bewältigung der COVID-19 Pandemie insbesondere kleineren Krankenhäusern mit einer vergleichsweise überschaubaren Zahl von COVID-19 Patientinnen und Patienten eine wirtschaftliche Verschnaufpause verschafft. Jedoch stellen die aktuell steigenden Fallzahlen die wirtschaftliche und personelle Leistungsfähigkeit der Einrichtungen erneut auf eine harte Bewährungsprobe.

In diesem Zusammenhang richtete sich im Dezember die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit einem dringenden Appell zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme der deutschen Krankenhäuser während der Corona-Krise an die Regierung und Länder.

Hohe Standards bei Qualität gesetzt

Auch nach Überwindung der Pandemie und den damit verbundenen finanziellen Zusatzbelastungen kann davon ausgegangen werden, dass weiterhin erheblicher Konsolidierungsdruck bestehen bleiben wird. Dabei sind insbesondere die Beschlüsse des gemeinsamen Bundesausschusses zur gestuften Notfallversorgung oder die neue Krankenhausplanung des Landes Nordrhein-Westfalen richtungsweisend.

Durch sie werden hohe Qualitäts- und Strukturanforderungen gesetzt, die das wirtschaftliche Umfeld für zukünftige Konsolidierungen nachhaltig bestimmen. Es ist davon auszugehen, dass die im Folgenden beschriebenen Entwicklungen der letzten Jahre für das Transaktions- und Konsolidierungsumfeld im Gesundheitsmarkt auch weiterhin prägend sein werden.

Zusammenschlüsse können Insolvenzen vermeiden

Wirtschaftliche Zwänge waren schon vor der COVID-19 Krise wesentlicher Antrieb für Transaktionen. Dies betrifft zum einen die Möglichkeit, durch Transaktionen Synergien in den Primär-, Sekundär- und Tertiärbereichen zu erzielen. Zum anderen betrifft es den Fall einer Insolvenz des Krankenhausträgers. Bei dieser geht es unmittelbar um die Sicherung des Fortbestands des Unternehmens und damit um die Vermeidung einer Schließung des oder der betroffenen Standorte.

Fachkräftemangel ist zusätzliches Risiko

Die erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie bedeutet zugleich, dass sich bereits bestehende Negativtrends mitunter noch verschärfen können und erhebliche finanzielle sowie operative Risiken für Krankenhäuser mit sich bringen.

Hierzu zählen mitunter die Unterfinanzierung von Investitionen durch die Bundesländer, die durch vielfältige Informationsangebote steigende Patientensouveränität und der damit zusammenhängende steigende Wettbewerbsdruck, der demografische Wandel, der sich in einer alternden Bevölkerung mit entsprechender Zunahme internistischer oder geriatrischer Krankheitsbilder niederschlägt sowie ein sich zunehmend verstärkender Fachkräftemangel.

Kulturelle Homogenität begünstigt Akzeptanz

Betrachtet man die Transaktionen der vergangenen Jahre, dann lassen sich abgesehen von wirtschaftlichen Zwängen weitere Muster erkennen: Krankenhaustransaktionen haben insbesondere innerhalb der jeweiligen Trägerschaft (freigemeinnützig, öffentlich oder privat) stattgefunden.

Eine besondere Rolle hierbei scheinen Netzwerke in Verbindung mit kultureller Homogenität innerhalb einer Trägerschaft zu spielen. So existieren beispielsweise in konfessionell geprägten, freigemeinnützigen Trägerschaften enge persönliche Netzwerke und eine Kohärenz in der Unternehmenskultur, die abseits von wirtschaftlichen Kennzahlen für eine solide Vertrauensbasis bei Transaktionen sorgt. Ein solches gestärktes Vertrauensverhältnis innerhalb einer Trägerschaft resultiert auch in einer größeren Akzeptanz für Transaktionsentscheidungen.

In regionalen Zusammenschlüssen Synergien nutzen

Regionale Nähe lässt sich als ein weiteres Muster erkennen. Eine bedeutende Ursache für Konsolidierungsprozesse ist hierbei die Schaffung von Synergieeffekten durch die Teilung eines gemeinsamen Versorgungsraumes aufgrund von regionaler Nähe. Der in Deutschland geltende Auftrag zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung regelt, dass in qualitativer und quantitativer Hinsicht eine ausreichende medizinische Versorgung flächen- und bedarfsdeckend gewährleistet ist.

Besonders bei strategischen Transaktionsentscheidungen auf kommunaler Ebene spielt dieser Grundsatz eine wichtige Rolle bei der Einhaltung regulatorischer Richtlinien. Für kommunale Träger bedeutet der Rahmen des Gesetzgebers jedoch auch die Gelegenheit, die zentralen Herausforderungen des Krankenhauswesens zu bewältigen, indem durch Transaktionen ein attraktives Versorgungsangebot für die Patientinnen und Patienten sichergestellt und gestaltet wird.

Krankenhauslandschaft neu gestalten

Die Covid-19 Pandemie stellt eine nie dagewesene Herausforderung für das Gesundheitssystem und den Krankenhausmarkt dar. Die wirtschaftlichen Zwänge werden auch nach der Pandemie nicht abnehmen, was Trägern von Krankenhäusern die Chance gibt, durch Transaktionen und Kooperationen die Krankenhauslandschaft aktiv und erfolgreich mitzugestalten. Nur durch die Realisierung von umfangreichen Synergien in Primär-, Sekundär- und Tertiärbereichen der Krankenhäuser kann langfristig eine hochqualitative, wohnortnahe Versorgung der Patientinnen und Patienten ohne weitere umfangreiche öffentliche Mittel sichergestellt werden.

Die Autoren:

Axel Bindewalt ist Head of Healthcare Deutschland und Partner der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
abindewalt(at)kpmg.com

Martin Hohmann ist Partner der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
mhohmann(at)kpmg.com

 

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