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Insolvenz
Aktualisiert am 03.02.2021 - 12:27

Gefahren für Kliniken mindern

Geschäftsführer Nikolic © Consus

In der Coronakrise stehen Krankenhäuser wirtschaftlich noch stärker unter Druck. Djordje Nikolic, Vorsitzender der Geschäftsführer Consus Clinicmanagement, zeigt wie sich das Risiko einer Pleite reduzieren lässt.

Gerade in den aktuellen Zeiten der Pandemie geraten Krankenhäuser sowie die effiziente medizinische und wohnortnahe Betreuung in den Fokus der Bevölkerung. Umso mehr dürfte die Äußerung des Bundesrechnungshofs Ende 2020 beunruhigen, dass in diesem Jahr mit zehn Prozent Krankenhausinsolvenzen zu rechnen sei. Dies würde bei einer Anzahl von aktuell rund 1.900 Krankenhäusern eine existenzielle Bedrohung von gut 200 Kliniken bedeuten. Die Gründe hierfür sind vielschichtig: Investitionsstaus mit der Folge hoher Betriebskosten, eklatante Digitalisierungsdefizite, Ressourcenverschwendung oder mangelhaftes Management von Krankenhäusern.

Insolvenz nicht verzögern

Was sind die Gründe für Krankenhaus-Insolvenzen? Grundsätzlich gibt es keinen Unterschied zu anderen Branchen: Kliniken können aufgrund bilanzieller Überschuldung oder mangelnder Liquidität in die Insolvenz geraten. Die Ursache einer bilanziellen Überschuldung kommt dabei seltener vor und wird unterjährig meist auch nicht durchgängig überwacht. Anders stellt es sich bei der Liquidität dar, die Einrichtungen regelmäßig, hoffentlich täglich, betrachten. Wenn am Betrachtungstag die Verbindlichkeiten höher sind als die liquiden Mittel, muss die Einrichtung einen Liquiditätsplan mit einer Prognose für die nächsten drei Wochen erstellen. Reichen auch hier die liquiden Mittel absehbar nicht aus, muss der Geschäftsführer oder Vorstand unverzüglich den Insolvenzantrag stellen.

Dabei ist besonders zu beachten, dass die Interessen des Trägers und des Geschäftsführers eine Insolvenz anzumelden oft nicht deckungsgleich sind. Der Geschäftsführer darf sich deshalb nicht auf die Aussage des Trägers verlassen, dass ein Defizit schon noch ausgeglichen werde. Haftbar ist  beim Vorwurf einer Verschleppung am Ende nur der Geschäftsführer. So manche Geschäftsführer-Karriere ist an genau dieser Stelle geendet.

Kooperation als Ausweg

Unserer Erfahrung nach kommen zu viele Insolvenzen überraschend. So ist dringend geboten, den Insolvenzrisiken inhaltlich zu begegnen. Kliniken sollten außer bestmöglicher medizinischer Qualität eine medizinische Fokussierung und Kooperationen mit umliegenden Leistungserbringern anstreben. Gleichzeitig müssen sie die immer noch viel zu hohe Ressourcenverschwendung in Krankenhäusern beenden und Liquiditätsreserven heben. Wissens- und Prozessdefizite im Bereich der aberwitzig komplexen Abrechnung medizinischer Leistungen führen immer noch dazu, dass Millionenbeträge liegen bleiben. Weiter müssen Einrichtungen ein ausreichendes Controlling der Insolvenzrisiken etablieren. Und zu guter Letzt sollten Kliniken mit dem Träger über die gemeinsame Ziele sprechen und Szenarien definieren, die im Falle einer Insolvenz schnelles Handeln im Sinne des Krankenhauses gewährleistet. Schließlich ist auch hier Prophylaxe noch immer die beste Therapie.

Der Autor:

Dr. Djordje Nikolic ist Vorsitzender der Geschäftsführer Consus Clinicmanagement.

d.nikolic(at)consus-clinicmanagement.de

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