Diversität

Einrichtungen müssen sich interkulturell öffnen

Eine interkulturelle Öffnung sei wirtschaftlich geboten, sagt Beate Hofmann, Professorin an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel. Grund sei ein gewisser Mangel.

Professorin Hofmann © Wohlfahrt Intern

  • Die interkulturelle Öffnung geht mit einem neuen Selbstbild der Kirche einher.
  • Viele Mitarbeitende befürworten Diversität, in der Praxis gibt es aber noch Probleme.
  • Für die Umsetzung spielt die Führungsebene eine entscheidende Rolle.

Da es an christlichen Beschäftigten fehle, müssten Einrichtungen zunehmend Menschen anderen Glaubens rekrutieren, sagte die Professorin für Diakoniewissenschaft und –management auf der Veranstaltung ‚Diakonie divers denken‘ in Berlin. Aber auch andere Gründe sprächen für Vielfalt am Arbeitsplatz: „Diverse Teams arbeiten effektiver.“

Selbstbild der Kirche verändert sich

Diversität sei jedoch ein schwieriges Thema, weil es die Identität der Diakonie und der Kirche berühre, räumte die Theologin ein. Bisher habe die Diakonie ihre Identität vor allem über den christlichen Glauben definiert. Doch dieses Selbstbild verändere sich gerade. „Statt der Überzeugung des Einzelnen spielt die organisationale Identität eine immer größere Rolle.“ Das öffne die Tür für Menschen anderer Kulturen und Glaubensrichtungen.

In der Praxis stoßen Einrichtungen noch an Grenzen

In vielen Einrichtungen sei der Diversitätsgedanke bereits angekommen. Das zeige zum Beispiel ein eigenes Forschungsprojekt: Ein Großteil der Mitarbeitenden sei demnach der Meinung, dass die Profession zählt, nicht die Konfession. In der Praxis gebe es aber noch Probleme. Zum Beispiel hätten muslimische Mitarbeitende nur selten die Möglichkeit, am Arbeitsplatz zu beten oder den Ramadan einzuhalten. Einrichtungen müssten auch mit Kommunikationsbarrieren und religiösen und kulturellen Ängsten rechnen. „Das oberste Gebot ist deshalb: Vertrauen schaffen“, rät Hofmann.

Für die Umsetzung ist der Wissenschaftlerin zufolge vor allem die Führungsebene wichtig. „Diversität ist ein Identitätsthema, deshalb muss man ganz oben anfangen“, sagte Hofmann. Die Haltung der Führungskräfte vor Ort sei entscheidend, sonst werde das Thema im Verband keine Rolle spielen.

Bedingungen vor Ort sind unterschiedlich

Einrichtungen müssten zudem Räume für Reflexion schaffen. „Mitarbeitende brauchen einen Ort, an dem sie Ängste ansprechen und Erfahrungen reflektieren und verarbeiten können.“ Qualitätsstandards seien dabei eine wichtige Orientierung für Verbände und Einrichtungen. Gleichzeitig seien Herausforderungen und Kontexte sehr unterschiedlich. „Köln ist nicht Chemnitz“, so die Theologin.

Thema kontinuierlich verfolgen

Schließlich müsse Diversität zu einem Querschnittsthema werden. „Dazu brauchen wir Ankermenschen“, forderte die Wissenschaftlerin. „Personen, die das Thema immer wieder einspielen, damit es nicht in Vergessenheit gerät.“ Ein solcher Prozess lasse sich nicht direkt steuern, sondern nur anregen. Das koste Zeit und Geld. „Aber nichts tun kostet noch mehr“, so Hofmann.

Mit der Veranstaltung ‚Diakonie Divers denken. Vom Warum zum Wie‘ zieht die Diakonie Deutschland eine Bilanz des Projektes ‚Interkulturelle Öffnung – Führungsaufgabe in einer Diakonie der Vielfalt‘. Knapp 100 Fach- und Führungskräfte aus Diakonie und Kirche kamen in Berlin zusammen, um die bisherigen Ergebnisse des Projektes zu diskutieren, Erfahrungen zu teilen und künftige Schritte zu besprechen. Das vom Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt startete im November 2016 und läuft noch bis Oktober 2019. br

 

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