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Aktualisiert am
23.11.2022, 11:34 Uhr
Gewerkschaft

Dienstpläne besser gestalten

In der Pflege stehen die Dinge auf dem Kopf. In anderen Branchen nutzen Arbeitgeber die Leiharbeit, um Löhne zu drücken und reguläre Beschäftigung zu ersetzen. In der Pflege sind es die Beschäftigten, die verstärkt in die Leiharbeit fliehen. Sie flüchten vor schlechten Arbeitsbedingungen, schlechter Bezahlung und unverbindlichen Dienstplänen. In der Pflege liegt vieles im Argen, wenn Fachkräfte lieber für eine Leiharbeitsfirma arbeiten, als angestellt in einer Klinik, Pflegeeinrichtung oder einem Pflegedienst.  

Festangestellte tragen eine zusätzliche Last, wenn sie in ihrer knappen Zeit immer wieder neue Leiharbeitskräfte einarbeiten müssen. Dies führt häufig zu Problemen im Tagesablauf und stellt für Pflegebedürftige eine Belastung dar. Die Leiharbeit verstärkt zudem die hohe Fluktuation. Uneinheitliche Arbeitsbedingungen und Bezahlungen spalten außerdem die Belegschaft. 

Verdi lehnt unter den derzeitigen Bedingungen ein Verbot der Leiharbeit in der Pflege ab. Vielmehr sehen wir die Arbeitgeber in der Verantwortung, die sich über hohe Kosten der Leiharbeit beschweren. Sie haben es selbst in der Hand, die Arbeitsbedingungen zu ändern. Leiharbeit kann als Ultima Ratio eines Ausfallkonzeptes sinnvoll sein. Aber Einarbeitung und Einsatzdauer müssen in einem akzeptablen Verhältnis stehen. Den kurzzeitigen Einsatz lehnen wir ab. Stattdessen müssen die Arbeitgeber mit den betrieblichen Interessenvertretungen ein Ausfallkonzept erstellen und es mit ausreichend Personal unterfüttern. Es muss klar regeln, wie planbare Behandlungen oder täglich anfallende Pflegeleistungen verschoben werden, wenn die Personaldecke zu dünn ist. 

Neben einer tarifvertraglichen Bezahlung und einer bedarfsgerechten Personalausstattung sind Dienstplanungen ein wichtiger Hebel. Sie müssen die Interessen der Beschäftigten berücksichtigen, um die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit besser zu gewährleisten. Damit besteht die Chance, die Belegschaft zu halten und sogar neues Pflegepersonal zu gewinnen. 

Matthias Gruß  
ist Gewerkschaftssekretär im Bundesfachbereich Gesundheit, soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft der Gewerkschaft Verdi und dort für die Altenpflege zuständig.
matthias.gruss(at)verdi.de