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Pandemiebekämpfung
Aktualisiert am 08.07.2020 - 11:06

„Dezentrales Netz an Kliniken war Erfolgsfaktor“

Geschäftsführerin Rümmelin © KKVD/ Iris Kaczmarczyk

Eine zentralisierte Krankenhauslandschaft könne künftige Pandemien nicht mehr bewältigen, sagt KKVD-Chefin Bernadette Rümmelin. Eine vom katholischen Krankenhausverband in Auftrag gegebene Umfrage soll die Aussage belegen.

  • Eine vom katholischen Krankenhausverband in Auftrag gegebene Meinungsumfrage ergab, dass mit weniger aber dafür größeren Kliniken die Corona-Pandemie nicht gemeistert hätte werden können.

  • Den Befragten seien darüber hinaus gut erreichbare Krankenhäuser wichtig.

  • An der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zur Krankenhausversorgung in der Corona-Pandemie nahmen 1003 zufällig ausgewählte Personen teil.

Weniger Kliniken in Deutschland erhöhen die Gefahr in einer künftigen Pandemie. Davor warnt der Katholische Krankenhausverband Deutschland (KKVD). „Das dezentrale, flächendeckende Netz an Kliniken war ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Corona-Bekämpfung. Mit einem Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft wären Pandemien künftig nicht mehr zu bewältigen“, argumentiert Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des KKVD.

In einer vom Interessenverband katholischer Krankenhäuser in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zur Krankenhausversorgung in der Corona-Pandemie stimmte die Mehrheit der Befragten der Position zu. Demnach wäre für 74 Prozent die Corona-Pandemie mit etwa der Hälfte und dafür größeren Krankenhäusern nicht zu bewältigen gewesen. Vor allem die 18 bis 29-Jährigen sowie die 50 bis 59-Jährigen vertreten diese Position. Nur 19 Prozent der Befragten sehen in der Reduzierung und Zentralisierung der Krankenhausstruktur keine Probleme für das Gesundheitssystem.

Zugleich ist 62 Prozent der Befragten ein wohnortnahes Krankenhaus sehr wichtig. 31 Prozent sehen dies als wichtig an. Die Meinung vertritt besonders die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen mit 95 Prozent sowie die der über 60-Jährigen mit 96 Prozent. Lediglich sieben Prozent sehen ein nahes Krankenhaus als nicht so wichtig oder unwichtig an.

Krankenhäuser wichtige Akteure in Pandemie

Zudem fragten die Meinungsforscher nach den Akteuren mit dem größten Anteil an Covid-19-Tests und -Behandlungen. Für jeweils 36 Prozent der Befragten sind das die Krankenhäuser sowie die Gesundheitsämter. Das Ergebnis decke sich mit den Erfahrungen des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands, so Rummelin. In den ersten Wochen der Corona-Pandemie seien viele Covid-19-Verdachtsfälle direkt in die Notaufnahme des Klinikums gegangen. Das sei auch sinnvoll gewesen, da in der Phase der Unsicherheit Krankenhäuser besser als Hausärzte auf den fremden Erreger reagieren könnten. Daher sei ein dichtes Netz an zugänglichen Kliniken in Pandemien notwendig.

Forderung zur Sicherung des regionalen Versorgungsbedarfs

Der Wandel im Gesundheitssystem gefährde jedoch die gut erreichbare Gesundheitsversorgung aller Bevölkerungsgruppen. Nach Rummelin brauche es einer Strukturreform, die sich am regionalen Versorgungsbedarf ausrichte. „Die Krankenhäuser sind eine wichtige Säule der regionalen Daseinsvorsorge in unserem Land“, so Rummelin.

Die repräsentative Fora-Umfrage im Auftrag des KKVD basiert auf einem Datensatz von 1.003 Personen ab 18 Jahren, die zufällig ausgewählt und telefonisch befragt wurden. Die Befragung fand in dem Zeitraum vom 15. bis 17. Juni 2020 statt. fn

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