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Diakovere
Aktualisiert am 12.10.2021 - 09:54

Ärztliche Beschäftigte warnen vor Personalmangel

Ärztinnen und Ärzte des niedersächsischen Trägers Diakovere kritisieren in einem offenen Brief die Unterbesetzung in Krankenhäusern. Der Arbeitgeber sieht in der Kritik ein taktisches Vorgehen.

  • Ärztliches Personal der Kliniken des Unternehmens Diakovere kritisieren in einem offenen Brief die Unterbesetzung vieler Abteilungen.
  • Der Mangel an ärztlichen Beschäftigten könne die Sicherheit von Patientinnen und Patienten gefährden.
  • Die Geschäftsführung weist die Kritik zurück. Die Vorwürfe müssten im Kontext der laufenden Tarifverhandlungen betrachtet werden.

In einem offenen Brief an Geschäftsführung und Aufsichtsrat warnten Ärztinnen und Ärzte aus den drei Diakovere-Krankenhäusern Annastift, Friederikenstift und Henriettenstift vor gravierendem Personalmangel. Viele Abteilungen würden bereits eine Besetzung deutlich unterhalb des Stellenplans aufweisen. Trotzdem herrsche in vielen Abteilungen aktuell ein Einstellungsstopp. Das könne künftig die Sicherheit der Patientinnen und Patienten und die Gesundheit der Beschäftigten gefährden, kritisieren die Unterzeichner.

Geschäftsführung weist Kritik zurück

Die Geschäftsführung der Diakovere weist die Vorwürfe der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung zufolge zurück. Die Kritik der ärztlichen Mitarbeitenden sei vor dem Hintergrund anstehender Tarifverhandlungen für die Ärzte und noch nicht beendeter Verhandlungen des Tarifvertrags für die Diakonie zu betrachten. Auf Anfrage von Wohlfahrt Intern äußerte sich die Geschäftsführung nicht zu dem Schreiben. Gespräche über den Inhalt des Briefs würden intern geführt, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit.

Arztmangel betreffe Kliniken in ganz Niedersachsen

Die im Brief geschilderten Zustände würden seit längerem aus den Häusern der Diakovere, aber auch aus anderen Krankenhäusern in Niedersachsen beschrieben, sagt Andreas Hammerschmidt, Zweiter Vorsitzender Marburger Bund Niedersachsen. Durch die unzureichende Finanzierung steige der finanzielle Druck auf die Kliniken. „Die Krankenhäuser sparen infolgedessen vor allem beim Personal“, so Hammerschmidt. Da es für einige Pflegebereiche Pflegepersonaluntergrenzen gebe, betreffe das verstärkt das ärztliche Personal. Die aktuell stattfindenden Tarifverhandlungen mit der Diakonie Niedersachsen seien sicherlich ein Anlass für die Kritik, aber nicht alleinig ausschlaggebend.

Gewerkschaften und Diakonie verhandeln seit Mai

Der Marburger Bund und Verdi verhandeln seit Mai mit dem Diakonischen Dienstgeberverband über den Tarifvertrag Diakonie Niedersachsen. Der nächste Verhandlungstermin ist am 15. Oktober.

Diakovere ist eigenen Angaben zufolge Niedersachsens größtes gemeinnütziges Unternehmen im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich. Zum Träger gehören neben den drei Krankenhäusern Annastift, Friederikenstift und Henriettenstift unter anderem eine Rehabilitationseinrichtung sowie Einrichtungen der Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe. Der Konzern beschäftigt rund 4.800 Mitarbeitende und machte 2019 einen Umsatz von 334 Millionen Euro. br
 

 

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