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Sterbehilfe
Aktualisiert am 27.02.2020 - 09:12

Urteil des Bundesverfassungsgerichts scheidet die Geister

Nach dem Urteil über geschäftsmäßige Sterbehilfe fürchten konfessionelle Wohlfahrtsverbände mehr Druck auf Schwerkranke. Andere Verbände sehen hingegen die Chancen.

  • Die Caritas bedauert das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, welches ein Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe als verfassungswidrig einstufte.

  • Die Diakonie fürchtet, dass Sterbehilfe ein Instrument der Marktgesellschaft wird.

  • Der Humanistische Verband Deutschlands (HVB) befürwortet das Urteil, weil es das Selbstbestimmungsrecht stärke.

„Wir bedauern das heutige Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe zur aktiven Sterbehilfe“, kommentiert Caritas-Präsident Peter Neher.

Sterbehilfe verstoße gegen die Menschenwürde und gegen das christliche Menschenbild. Man müssen die körperlichen Schmerzen lindern, vor denen sich Menschen fürchten und sterbenskranke Menschen nicht unter Druck setzen, den Tod zu verlangen.

Urteil verunsichere die Menschen

Diakonie Präsident Ulrich Lilie sieht ähnliche Probleme: „Diese Entscheidung aus Karlsruhe kann nun dazu beitragen, dass diese Menschen verunsichert werden, weil vielleicht nicht alle Hilfen zur Verfügung stehen, die sie benötigen.“ Er wolle mit allen Kräften dafür sorgen, dass Sterbehilfe kein furchtbares Instrument der Marktgesellschaft wird.

Humanistischer will Regelung vorschlagen

Der HVB hingegen begrüßt, dass das Urteil das Selbstbestimmungsrecht stärke und schlägt eine Neuregelung der Suizidhilfe vor. „Wir verfolgen seit Jahrzehnten schon das Ziel, dass das Selbstbestimmungsrecht auf den eigenen Tod respektiert und gewährleistet sein muss“, sagt Vorstandssprecher Erwin Kress. Klare Regeln und ein Katalog von Sorgfaltskriterien sollen sowohl Suizidwillige als auch Ärzte und Organisationen schützen. Daher plane der Verband bereits den Vorschlag für einen Gesetzesentwurf.

Die Richter am Bundesverfassungsgericht hatten zuvor entschieden, dass das 2015 eingeführte Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe verfassungswidrig sei. Sterbehilfevereine, Ärzte und schwerkranke Menschen hatten gegen den Paragraphen 217 geklagt.

Der Deutsche Caritasverband ist der Dachverband der Caritas mit über 900 konfessionell römisch-katholischen Wohlfahrtsverbänden. Die Diakonie Deutschland ist der Dachverband der evangelischen Wohlfahrtsverbände. Der Humanistische Verband Deutschlands ist eine Interessensvertretung konfessionsloser Menschen. Er besteht aus 12 Landesverbänden. ct

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