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Dienstpflicht
Aktualisiert am 02.12.2019 - 11:21

„Pflicht zum sozialen Engagement ist nicht das, was wir brauchen“

Caritas-Präsident Peter Neher © DCV

Eine Dienstpflicht sei nicht der richtige Weg, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und Menschen zu mehr Engagement zu bewegen, sagt Peter Neher. Der Caritas-Präsident fordert andere Prioritäten.

  • Eine Dienstpflicht für Schulabgänger ist nach Ansicht der Caritas keine gute Lösung, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

  • Bestehende Freiwilligendienste sollten besser ausfinanziert werden, fordert  Caritas-Präsident Peter Neher.

  • Soziale Praktika während der Schulzeit könnten besser Lust an freiwilligen Engagement vermitteln.

Caritas-Präsident Peter Neher ist skeptisch gegenüber einer allgemeinen Dienstpflicht. Die bisherigen Erfahrungen mit Freiwilligendienstleistenden seien sehr gut. „Dass diese Stellen auskömmlich finanziert sind und die Dienstleistenden Anerkennung finden, muss Priorität haben vor Überlegungen zu einem verpflichtenden Dienst“, fordert Neher.

Freiwilliges Engagement bei Bewerbungen anerkennen

Beispielsweise sollten mehr Möglichkeiten geschaffen werden, freiwilliges Engagement bei der Bewerbung um einen Studienplatz oder im Beruf anzuerkennen, so der Caritas-Präsident weiter.

Grundsätzlich gelt, dass Freiheit und Freiwilligkeit die besten Voraussetzungen dafür seien, sich in den zahlreichen sozialen, ökologischen und internationalen Aufgaben zu engagieren. Wer sich als Freiwillige oder Freiwilliger als selbstwirksam erlebe, werde bestärkt in der Haltung, dass freiwilliges Engagement etwas Gutes sei. „Das ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt förderlicher als ein Dienst, zu dem man möglicherweise gegen seinen Willen gezwungen wird“, sagt Neher.

Dienstpflicht ist Vorschlag von Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer

Die Lust auf Engagement könnten aber durchaus soziale Praktika in jüngeren Jahren vermitteln. „Wir plädieren dafür, die Schulpflicht sozial auszugestalten – zum Beispiel durch verpflichtende Sozialpraktika, so dass Erfahrungen mit sozialen Nöten und Aufgaben zur Schullaufbahn genauso verlässlich dazu gehören wie deutsche Grammatik und das kleine Einmaleins“, so der Caritas-Präsident.

CDU-Chefin und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauers hatte die Idee einer allgemeinen Dienstpflicht in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe ins Spiel gebracht. Ihr Vorschlag zielt darauf ab, dass Männer und Frauen einen solchen Dienst bei der Bundeswehr, aber auch in der Pflege, bei der Feuerwehr oder beim Technischen Hilfswerk absolvieren sollen. In diesen Bereichen werden heute schon freiwillige Dienste erbracht. dh

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