Wohnungsnot

Diakonie lehnt Enteignungen ab

Enteignungen von Wohnungsgesellschaften würden keine neuen Wohnungen schaffen, sagt Heiko Naß, Vorstand der Diakonie Schleswig-Holstein. Die Diakonie hat andere Vorschläge, um die Wohnungsnot zu bekämpfen.

Vorstand Naß © Diakonie Schleswig-Holstein

RENDSBURG – Mietpreisbremse und sozialer Wohnungsbau seien der bessere Weg, Wohnungsnot zu bekämpfen, führt Diakonievorstand Naß aus. Dennoch gelte, dass Eigentum dem Gemeinwohl verpflichtet sei. Einer der Hauptgründe für steigende Mieten sei die enorme Steigerung des Bodenwertes. Man müsse diese deshalb mit einer zusätzlichen Steuer belegen und mit einer Mietpreisbremse kombinieren. Dass die schleswig-holsteinische Landesregierung die Mietpreisbremse auslaufen lassen will, sei unverständlich.

30 Prozent für sozialen Wohnungsbau

Das Land und die Kommunen sollten zudem eigene brachliegende Flächen kostengünstig für den Wohnungsbau zur Verfügung stellen. Eine Quote von mindestens 30 Prozent müsse für den sozialen Wohnungsbau reserviert werden. Flächen, die spekulativ brachliegen, sollten mit Negativzinsen belegt werden. „Der Staat hat die Pflicht, durch eine wirksame Rechtsgestaltung für einen bezahlbaren Wohnraum zu sorgen“, so Naß.

Ferienunterkünfte nehmen Wohnraum ein

Als Ursachen für die Wohnungslosigkeit nennt die Diakonie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Überschuldung sowie Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Zudem verstärke sich vor allem in Urlaubsregionen der Trend, Wohnraum in Ferienquartiere umzuwandeln, wie zum Beispiel in Nordfriesland. Die Diakonie fordert Land und Kommunen auf, flächendeckend die Zweckentfremdung von Wohnraum einzudämmen.

Situation verschlechtert sich

Angaben der Diakonie Schleswig-Holstein zufolge haben 7.456 Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen 2018 die Beratungsstellen, Tagestreffs und Notunterkünfte der Diakonie aufgesucht. Im Jahr 2014 seien es nur 5.401 Fälle gewesen. Hinzu komme, dass die Zahlen der Diakonie zwar einen sehr großen, aber nicht den gesamten Bereich der Wohnungslosenhilfe in Schleswig-Holstein abbildeten.

Besonders Frauen sind betroffen

Besonders gravierend sei die stetig zunehmende Zahl von Frauen, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind. 2018 seien es 2.284 gewesen, knapp ein Drittel aller Fälle. 2014 habe die Zahl noch bei 17 Prozent aller Fälle gelegen. „Hier müssen wir dringend gegensteuern, vor allem weil mittelbar auch Kinder betroffen sind“, sagt Diakonie-Vorstand Naß. Der Verband fordere deshalb für Familien einen besseren Schutz vor Kündigungen sowie zusätzliche finanzielle Mittel, um die Betroffenen bei Mietschulden unterstützen zu können.

Zur Diakonie Schleswig-Holstein gehören mehr als 1600 Einrichtungen mit über 28.000 Beschäftigten, darunter Beratungen, Tagestreffs und Notunterkünfte für Wohnungslose. br

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