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AWO KV Berlin-Mitte
Aktualisiert am 08.08.2019 - 16:35

Wachleute sollen für Totgeburt verantwortlich sein

Wachleute eines Sicherheitsdienstes in einer Flüchtlingsunterkunft der AWO Berlin-Mitte sollen einer Schwangeren die Hilfe verweigert haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auch die AWO steht in der Kritik.

  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach einer Totgeburt gegen zwei Wachleute einer Sicherheitsfirma in einer Flüchtlingsunterkunft der AWO Berlin-Mitte.

  • Die Wachleute sollen einer Schwangeren trotz starker Schmerzen und Blutungen keinen Krankenwagen gerufen haben.

  • Die AWO soll die Berliner Behörden zu spät und nicht ausreichend informiert haben.

Zwei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sollen in einer Flüchtlingsunterkunft der AWO Berlin-Mitte einer Hochschwangeren Hilfe verweigert haben. „In unseren Einrichtungen gibt es die klare Anweisung, in solchen Fällen einen Rettungswagen zu rufen“, sagt Manfred Nowak, Vorstandsvorsitzender der AWO Berlin-Mitte.

Landesamt spät informiert

Daran hätten die beiden Wachleute sich nicht gehalten. Die Wachmänner hätten später angegeben, das Paar habe den Wunsch nach einem Rettungswagen erst im Nachhinein geäußert, berichtet Nowak. Die Wachleute werden nicht mehr in der Einrichtung eingesetzt.

Weiter gibt es Kritik an der späten und nicht ausreichenden Informationspolitik der AWO. Obwohl sich der Vorfall bereits Ende Juni ereignete, unterrichtete der Träger das Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) erst nach drei Wochen. „Dem Betreiber wurde daraufhin ein umfangreicher Fragenkatalog zugestellt, da die Informationen nach den Qualitäts- und Leistungsstandards des LAF nicht ausgereicht haben“, heißt es in der Stellungnahme des LAF.

AWO erkennt Krisenfall

„Wir haben das zunächst als einen tragischen Routinefall behandelt“, sagt Nowak. Erst nach einem Schreiben des Flüchtlingsrates an die Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) und die Klage des Rechtsanwaltes habe die AWO die Situation schließlich als Krisenfall eingestuft.

„Die Frau hatte starke Schmerzen und Blutungen. Ihr Mann hat die Wachleute darum gebeten, einen Rettungswagen zu rufen“, sagt der Anwalt des Paares. Die Sicherheitsleute hätten dem Paar stattdessen eine Wegbeschreibung zum nächsten Krankenhaus gegeben. Das Paar habe sich daraufhin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Krankenhaus begeben, wo die Frau das Kind tot zur Welt brachte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen des Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung und fahrlässige Tötung gegen die Wachmänner.

Die AWO Berlin-Mitte betreibt derzeit zehn Unterkünfte für Geflüchtete mit knapp 3000 Plätzen. Die Sicherheitsfirma ist in drei Einrichtungen der AWO im Einsatz. jh

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