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Notfallversorgung
Aktualisiert am 12.02.2020 - 10:01

„Portalpraxen reichen womöglich aus“

Bernadette Rümmelin © Kirsten Breustedt

Der Bund plant eine Reform der Notfallversorgung. Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des KKVD, mahnt, sie nicht überhastet anzugehen.

  • Der KKVD warnt vor Schnellschüssen bei der Reform der Notfallversorgung.

  • Zunächst sollten gemeinsame Notfall-Leitstellen und ihre Wirkung auf die Fallzahlen in Notfallambulanzen in der Praxis erprobt werden.

  • Bestehende Portalpraxen deckten Bedarfe ausreichend ab, Integrierte Notfallzentren seien daher womöglich überflüssig.

Die Reform der Notfallversorgung solle nicht überhastet werden, mahnt Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbands (KKVD). Zuerst sollte der Gesetzgeber Gemeinsame Notfall-Leitstellen (GNL) einführen und deren Wirkung auf die Patientenwege auswerten. Die einheitliche Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes und eine digital gestützte Ersteinschätzung führten laut Studien zu einer deutlichen Entlastung der Kliniknotaufnahmen, so die Geschäftsführerin weiter.

Gewachsene Strukturen reichen aus

Erst die Praxis würde zeigen, ob dann noch neue Strukturen an Klinikstandorten notwendig seien. Der Verband stellt sich gegen die geplanten Integrierten Notfallzentren (INZ). Die von unten gewachsenen Strukturen von bereits existierenden Portalpraxen und ähnlichen Kooperationsmodellen würden womöglich ausreichen. Zudem liege die fachliche Leitung der INZ bei der Kassenärztlichen Vereinigung, die wirtschaftlichen und rechtlichen Konsequenzen trügen aber die Kliniken, kritisiert der Verband.

Die Reform sieht INZ an ausgewählten Krankenhäusern vor, die als erste Anlaufstelle für Notallpatienten dienen sollen. Medizinisches Personal soll darin dem Entwurf zufolge entscheiden, ob Patienten ambulant oder stationär versorgt werden müssen. Nach den Plänen des Gesundheitsministeriums soll die Kassenärztliche Vereinigung die Verantwortung für die Zentren tragen.

Zusammen mit der Caritas und der Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie legte der KKVD eine Stellungnahme zum vorläufigen Referentenentwurf zur Reform der Notfallversorgung vor. Anlass ist die am 17. Februar stattfindende Anhörung von Verbänden zu dem Thema im Bundesministerium für Gesundheit.

Der Katholische Krankenhausverband vertritt die Interessen von 344 Allgemein- und Fachkliniken und 56 Reha-Standorten, die rund 200.000 Mitarbeiter beschäftigen. 106 der klinischen Einrichtungen sind akademische Lehrkrankenhäuser, die 25.000 Ausbildungsplätze bieten. ct

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