Kooperation

Gemeinsam gegen den Trend zur Privatisierung

In der ‚Klinik–Kompetenz-Bayern EG‘ haben sich 32 kommunale und freie Träger zusammengetan. Gemeinsam wollen sie dem Privatisierungstrend widerstehen. Das Modell soll auch bald in der Altenpflege Schule machen.

Andrea Dembowski ist Referentin in Diensten der Klinik-Kompetenz-Bayern eG

WEIßENBURG Der Gründung der Klinik-Kompetenz-Bayern (KKB) als eingetragene Genossenschaft im Januar 2011 war fast ein Jahrzehnt der kollegialen Zusammenarbeit von zehn Geschäftsführern bayerischer Kliniken vorausgegangen. Mit dem zunehmenden Wettbewerbsdruck und angesichts einiger Privatisierungen ehemals kommunaler Kliniken in Bayern wurde im Kollegenkreis nach Antworten gesucht. Die bisherige informelle Zusammenarbeit sollte institutionalisiert und vertieft werden.

Gemeinsame Plattform zum Austausch

So wurde ab 2009 intensiv mit den Vorbereitungen zur Gründung einer Genossenschaft begonnen. Die Gesellschaftsform einer Genossenschaft sicherte zum einen weiterhin die uneingeschränkte Eigenständigkeit seiner Mitglieder, also deren Gleichberechtigung bei deren Ausgestaltung. Seit ihrer Gründung im Jahr 2011 ist die KKB zwischenzeitlich bis Anfang Januar 2018 auf 62 Kliniken von 32 Trägern angewachsen.

Die Arbeit der Klinik-Kompetenz-Bayern eG ist durch die Zielsetzung geprägt, seine Mitglieder fit für den zunehmenden Wettbewerb und für die sich stetig ändernden Rahmenbedingungen zu machen, damit sie auch zukünftig den Erwartungen an eine flächendeckende, hochwertige und effektive Krankenhausversorgung gerecht werden. Dabei sind Antworten auf die wirtschaftlichen Zwänge zu erarbeiten, um somit weiteren Privatisierungen zuvorzukommen.

Eine der Hauptaufgaben der Klinikgenossenschaft ist es, eine Plattform zu bilden, die einen zielgerichteten Austausch unter diesen Experten befördert und organisiert, um somit innovative Handlungsstrategien zu entwickeln. Ergänzt wird dieser Vernetzungsgedanke durch ein stetig an Breite und Tiefe zunehmendes Dienstleistungsangebot durch Mitarbeiter in der Geschäftsstelle oder durch externe Kooperationspartner.

Neben dieser mitgliederorientieren Ausrichtung sind die krankenhauspolitischen Aktivitäten ein zweites prägendes Element der Genossenschaft. Durch zahlreiche Gespräche mit Vertretern der zuständigen Ministerien, Bundes- und Landespolitikern, Krankenkassen und weiteren Institutionen im Gesundheitswesen konnte die Klinik-Kompetenz-Bayern eG wesentliche Standpunkte ihrer Mitglieder zu den Grundsatzfragen der Krankenhauspolitik zielgerichtet platzieren.

Mitglieder bestimmen thematische Schwerpunkte

„Die Klinik-Kompetenz-Bayern eG schafft durch intensive Vernetzung seiner Mitglieder eine Denk- und Innovationsplattform für die Entwicklung zukunftsfähiger Klinik- und Versorgungskonzepte“, so das Leitbild. Ausgangspunkt für diese Zielsetzung ist die Gewissheit, dass in den Kliniken ausreichend Expertenwissen vorhanden ist. Dieses zu erschließen, zu bündeln und zu teilen ist die besondere Herausforderung, welcher sich die Genossenschaft auf vielfältige Art und Weise seit Anbeginn stellt. Eine wesentliche Rolle hierbei nehmen die mittlerweile 14 Arbeitskreise zu verschiedenen Arbeitsschwerpunkten ein, welche durch Beschluss der Generalversammlung eingesetzt werden. Die thematische Ausgestaltung geschieht vornehmlich aus den Reihen der Gruppenmitglieder heraus und in seltenen Fällen durch Vorgaben durch ein Organ der Genossenschaft.

Nachdem sich die Klinik-Kompetenz-Bayern eG als feste Größe in der Krankenhauslandschaft erfolgreich etabliert hat, wird es in den nächsten Jahren maßgeblich darum gehen, die Vernetzung der Mitglieder untereinander und mit der Genossenschaft zu intensivieren. Hierzu wird unter anderem eine Ausweitung des Dienstleistungsangebotes beitragen, das sich auf optimale Weise an den Anforderungen eines dynamischen Krankenhaussektors orientiert.

Pendant in der Altenpflege

Bedingt durch die Tatsache, dass einer der drei KKB-Vorstände im Hauptamt als Vorstand des Kommunalunternehmens Würzburg, das Träger für zahlreiche Pflegeheime und Service-Wohnanlagen für Senioren ist, tätig ist, lag es nahe, auf die Erfahrungen der Zusammenarbeit im Klinikbereich zurückzugreifen.

So wurde Ende 2016 die Kommunale Altenhilfen Bayern (KAB) als Pendant zur Klinik-Kompetenz-Bayern ins Leben gerufen. Es handelt sich hierbei um einen Zusammenschluss kommunaler bayerischer Pflegeheime der Landkreise, Städte, Märkte und Gemeinden. Bislang haben sich 13 Träger mit insgesamt 45 Pflegeheimen angeschlossen. Die Rechtsform ist noch nicht abschließend geklärt. Sehr wahrscheinlich wird die Gründung einer Genossenschaft angestrebt.

Die Autorin:

Andrea Dembowski ist Referentin der Geschäftsstelle Klinik-Kompetenz-Bayern eG
Andrea.Dembowski@klinik-kompetenz-bayern.de

             

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