ZMV-Fachtagung

Geld nicht den Ton angeben lassen

Die Ökonomisierung in der Krankenhausbranche führt zu einer enormen Arbeitsverdichtung für Beschäftigte. Pflege und Zuwendung sind häufig reine Kostenfaktoren.

Teilnehmer der Podiukmsdiskussion

„Seit Einführung des Fallpauschalensystems hat sich die Arbeitsbelastung in deutschen Krankenhäusern verschärft“, sagte Jeanne Turczynski bei der Abschlussdiskussion der Arbeitsrechtstagung in Eichstätt zum Thema Leistungsdruck. Turczynski ist Mitautorin des Buchs ,Tatort Krankenhaus‘. Ihr zufolge sei die Situation in einigen Häusern teilweise so schlimm, dass Auszubildende bereits im zweiten Lehrjahr völlig ausgebrannt seien.

Vorbildfunktion ist gefährdet

„Pflegekräfte beginnen zunehmend, sich von ihrer Arbeit zu distanzieren. Sie werden rabiat und roh gegenüber den Pflegebedürftigen“, erläuterte die Autorin. Noch sei Deutschland weltweit Vorbild im Krankenhausbereich, die Patientenzufriedenheit hoch. Das könne sich laut Turczynski jedoch ändern, sollte das Stresslevel der Beschäftigten weiter steigen und die Ausrichtung auf bloßen Profit in den Eichrichtungen nicht abnehmen.

Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, hob die Bedeutung ökonomischer Grundsätze für den Betrieb eines Krankenhauses hervor. „Krankenhäuser müssen mit dem Geld der Bevölkerung verantwortungsgemäß umgehen“, erklärte er. Sie müssten versuchen, die Patientenversorgung so zu organisieren, dass sie ohne große Defizite das Jahr überstehen.

Eingriffe von Geld motiviert

Hierauf entgegnete die Autorin Turczynski, Ökonomisierung werde zum Problem, wenn sie der Medizin vorschreibt, was sie zu tun habe und wenn Entscheidungen über Eingriffe vom Geld motiviert seien. Stefan Bug, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz, schloss sich Turczynski an. Er bemängelte, Zeit mit Patienten zu verbringen und ihnen Zuwendung zu geben verkomme zum bloßen Kostenfaktor.

Das Thema Mitbestimmung von Beschäftigten stand ebenfalls im Fokus der Diskussionsrunde. Laut Turczynski sei eine verbreitete Haltung unter Pflegekräften in Krankenhäusern, sie hätten keinen Einfluss auf ihre Arbeit und könnten nichts ändern, weil sie am unteren Ende der Hierarchie stehen. „Es gibt kaum Zeit und Raum für Krankenhausbeschäftigte, ihre Ideen und Sorgen anzubringen“, kritisierte sie.

Vorschläge von Beschäftigten brauchen einen Platz

Anke Manthey, Referentin für Gesundheitsförderung bei Audi, stellte das Mitbestimmungsmodell des Automobilkonzerns vor. Bei Audi seien alle Mitarbeitenden aufgefordert, Ideen zur Verbesserung von Arbeitsabläufen zu entwickeln. „Solche Ideen müssen einen offiziellen Platz im Unternehmen haben, wo Beschäftigte sie einreichen können“, sagte Manthey. Das könnten auch Krankenhäuser tun. Diese würden viel Geld in ihre Mitarbeitenden investieren. Deshalb sei es wichtig, sorgsam mit ihnen umzugehen. sd

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