ZMV-Fachtagung

Für mehr Entlastung der Mitarbeiter sorgen

Der Leistungsdruck in der Sozialwirtschaft steigt. Einrichtungen der Diakonie und Caritas müssen sich auf dem Markt behaupten. Die Bedürfnisse der Mitarbeitenden dürfen Arbeitgeber dabei nicht aus den Augen verlieren.

Diakonie-Präsident Lilie

EICHSTÄTT – „Der Ökonomisierung des Sozialen müssen sich diakonische Einrichtungen entgegenstellen, um den Druck auf Beschäftigte zu reduzieren“, sagte Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, auf der 21. Fachtagung zum kirchlichen Arbeitsrecht der Zeitschrift für die Praxis der Mitarbeitervertretung in den Einrichtungen der katholischen und evangelischen Kirche (ZMV) in Eichstätt.

Jede fünfte Pflegekraft will aussteigen

In seiner Rede zur Eröffnung der Tagung sprach Lilie über den stressigen Arbeitsalltag von Pflegekräften. Jeder fünfte Beschäftigte überlege, aus der Pflege auszusteigen. „Die Pflege ist in Not und unter Druck geraten“, sagte Lilie. Diakonische Dienstgeber seien auf dem Markt sozialer Dienstleistungen mit großer Konkurrenz konfrontiert, der Ökonomisierungsdruck steige. Es gehe auch zu Lasten der Pflegebedürftigen, wenn Pflegekräfte ihre Arbeit nur noch nach streng getakteten und möglichst effizienten Zeitplänen erledigen.

Hier müssten diakonische Träger gegensteuern. „Es braucht eine diakonische Führungskultur, die sich auf Wertschätzung und gegenseitige Achtung stützt“, erläuterte der Diakonie-Präsident. Wichtig seien Formate und Plattformen für Mitarbeitende, bei denen diese Arbeitsbedingungen mitgestalten können sowie Angebote der Gesundheitsvorsorge und Entlastung.

Ein Dialogforum für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

In ihrer Begrüßungsrede betonte Renate Oxenknecht-Witzsch, der Punkt sei gekommen, sich im Rahmen der Tagung mit dem Thema Effizienz- und Leistungsdruck auseinanderzusetzen. „Die oft hohe Arbeitsverdichtung setzt schließlich auch Beschäftigten in kirchlichen Einrichtungen zu“, sagte die Professorin für Recht an der Fakultät für soziale Arbeit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Initiatorin der Veranstaltung. Die ZMV-Tagung mit rund 550 Teilnehmern von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite der evangelischen und katholischen Kirche sei dafür ein geeignetes Dialogforum.

Oxenknecht-Witzsch ging auch auf die Veränderung des Arbeitsmarkts durch die Digitalisierung ein. Sie kritisierte, dass die rasante Digitalisierung oft als alternativlos gesehen wird und wies auf deren Nachteile hin: „Der Abbau von Rohstoffen für digitale Geräte unter ausbeuterischen Bedingungen wird weiter zunehmen.“

Digitalisierung ist keine Bedrohung

Das Thema Digitalisierung griff auch Werner Eichhorst auf. Er ist Direktor für Arbeitsmarktpolitik Europa am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn. „Soziale Dienstleistungen sind von der Digitalisierung nicht wirklich bedroht“, sagte Eichhorst. In Zukunft würden Berufe im Bereich Pflege oder Bildung an Bedeutung gewinnen. Da das Fachkräfteangebot aber immer kleiner werde, nehme der Druck auf Beschäftigte zu. Digitale Lösungen und neue Organisationsmodelle könnten laut Eichhorst hier einen Ausgleich schaffen.

In Vertiefungsgruppen diskutieren an beiden Veranstaltungstagen Vertreter von Mitarbeitenden und Arbeitgebern, Juristen und andere Experten unter anderem über Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutz, die Umsetzung der Entgeltgleichheit von Männern und Frauen sowie über die Arbeit von Mitarbeitervertretungen unter Effizienz- und Finanzierungsdruck. sd

zurück | drucken

Frage des Monats

Diakonie-Präsident Ulrich Lillie fordert, akademisch gebildete Pflegekräfte auf dem Niveau von Ingenieuren zu bezahlen. Was halten Sie davon?

sofort umsetzen

als Ziel verfolgen

Gehalt reicht aus

Forderung ist populistisch


Zum Umfrage-Ergebnis

Die aktuelle Ausgabe

Sicherheit

• Risiken einschätzen
• Bedrohungen abwehren
• Datenschutz meistern

weiter

    Leider falsch - wir korrigieren

    Alle Menschen machen Fehler – bei Journalisten sind sie leider gleich gedruckt. Manchmal rutscht uns eine missglückte Formulierung durch, manchmal eine falsche Zahl. Das tut uns leid. Hier finden Sie die Korrekturen.

    Probleme auf der Webseite?

    Falsche Darstellung, fehlerhafter Link, fehlende Funktion? Bitte melden Sie Probleme mit der Webseite unserem Administrator. Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe! Fehler melden

     

    Lesen Sie Wohlfahrt Intern jetzt auch als E-Paper

    E-Paper hier öffnen