Nachwuchs

Schüler an den Pflegeberuf heranführen

Das Projekt Care4future will junge Leute schon in der Schule für die Pflege begeistern. Die St. Gereon Seniorendienste schicken ihre Azubis im Rahmen dieses Netzwerkkonzepts als Dozenten in den Unterricht. Die Aktion steht unter Federführung des Beratungsunternehmen Contec.

Bernd Bogert, Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste; Sina Steffen, Stellvertretende Projektleiterin

HÜCKELHOVEN - Studien zufolge zählen unter Schülern die Pflegeberufe, insbesondere die Altenpflege, zu den ‚Out-Berufen‘ – dies gepaart mit dem ohnehin akuten Fachkräftemangel birgt Brennstoff für die Branche. Das von der Contec ins Leben gerufene Projekt Care4future ist ein Konzept zur regionalen Nachwuchssicherung in den Pflegeberufen. Unter anderem die St. Gereon Seniorendienste sind durch Care4future zum praktischen Ausbildungsträger für die Pflege geworden.

Schulen bieten Wahlpflichtkurs Pflege und Soziales

 

Dass sich immer weniger junge Menschen dafür entscheiden, einen Pflegeberuf zu erlernen, spüren nicht nur Träger und Einrichtungen der Altenpflege, auch die Berufsfachschulen sehen sich mit schwindenden Auszubildendenzahlen konfrontiert. Es liegt also nah, hier auf gemeinsame Stärke zu setzen und in Zusammenarbeit der Herausforderung Nachwuchs zu begegnen. Und das ist der Kern des Projektes Care4future, das bis 2013 vom Bundesarbeitsministerium gefördert wurde und Teil der Initiative ‚Neue Qualität der Arbeit‘ ist.

Durch die Gründung von Netzwerken, bestehend aus Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, Berufsfachschulen sowie allgemeinbildenden Schulen werden Schüler bereits während der Schulzeit an Inhalte des Pflegeberufes herangeführt. Dafür wird im Curriculum der allgemeinbildenden Schulen ein Wahlpflichtkurs ‚Pflege und Soziales‘ verankert. Das Besondere: Die Schüler, die sich für diesen Kurs entscheiden, werden durch Auszubildende der Pflegeeinrichtungen selbst durch das Schuljahr geführt – die Auszubildenden fungieren neben ihrer Tätigkeit in den Einrichtungen auch als Dozenten und damit als Botschafter für die Pflege. Für die Schüler bedeutet dies einen Praxisaustausch auf Augenhöhe.

Pflegeträger präsentiert sich im Unterricht

Damit das gelingt, ist es wichtig, dass Auszubildende auch eine positive Einstellung gegenüber ihrem Beruf und dem Arbeitgeber haben. Netzwerke allein reichen nicht, sie haben nur dann Erfolg, wenn die teilnehmenden Unternehmen sich ihren Auszubildenden gegenüber auch als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Die St. Gereon Seniorendienste legt Wert auf eine faire, qualitativ hochwertige Begleitung der Auszubildenden. Dazu gehört auch die Freiheit, im Rahmen des Konzeptes von Care4future als Dozent in den Wahlpflichtkursen mitwirken zu können.

Der Nutzen von einem Konzept wie Care4future liegt auf der Hand, wenn man sich anschaut, inwiefern nicht nur die St. Gereon Seniorendienste selbst, sondern die ganze Region von der Initiative zur Nachwuchssicherung in der Pflege profitiert. Zwar sind die St. Gereon Seniorendienste bislang der einzige Träger mit einem Netzwerk, aber in diversen anderen Projekten kooperieren sie mit anderen Trägern. Ein Care4future Netzwerk kann auch ohne Weiteres aus mehr als einem Träger für Pflegeleistungen bestehen, sodass direkte Konkurrenten gemeinsam gegen ein gesamtgesellschaftliches Problem ankämpfen.

Ein Händeringen um die Absolventen zeichnet sich im Kreis Heinsberg nämlich nicht ab. Mit mittlerweile rund 240 Auszubildenden, und ihre Zahl steigt stetig, ist der Träger der größte Ausbilder im Pflegebereich bundesweit. Bei einer solchen Zahl ist es ohnehin nicht möglich, alle Absolventen zu übernehmen. Am Ende stehen viele, gut ausgebildete und motivierte Pflegefachkräfte, die gern von anderen Unternehmen übernommen werden. Eine Win-Win-Situation, denn keiner der ehemaligen Auszubildenden bleibt lange arbeitslos, während die Altenhilfeträger der Region ihre offenen Stellen mit gut qualifizierten Fachkräften besetzen können.

Gesamte Branche in der Region profitiert von Netzwerk

Da das Konzept von Care4future bewusst auf die regionale Vernetzung von Unternehmen und allgemeinbildenden Schulen abzielt, gilt hier der Grundsatz: Je mehr Netzwerke in einer Region – oder aber je höher das Engagement der Unternehmen in einem Netzwerk, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Unternehmen müssen über ihren Schatten springen und das Konkurrenzdenken in den Hintergrund rücken. Mit dem eigenen Engagement in einem Netzwerk entsteht auch ein Vorteil: Wer ausbildet, kann sich aussuchen, wer übernommen wird.

In der Region um Aachen, speziell dem Kreis Heinsberg, profitiert die ganze Branche von einem Netzwerk und dem engagierten Arbeitgeber, der über Care4future hinaus auch durch andere Projekte in Kooperationen mit weiteren Trägern das Image der Pflege nach vorn bringt und so aktiv den Fachkräftemangel in der Region bekämpft. Dabei ist es nicht notwendig, dass jeder Ausbildungsträger die Größe der St. Gereon annimmt, der gleiche Effekt kann auch über mehrere kleine Netzwerke oder ein größeres mit mehreren Partnern erzielt werden. Eine retrospektive Erhebung in Papenburg, ein weiteres der Care4future Netzwerke, hat ergeben, das von 79 Care4future-Absolventen seit dem Jahr 2008 gut 62 Prozent der Umfrageteilnehmer in Gesundheits- oder Pflegeberufen tätig sind. Davon gaben alle an, dass der Kurs im Rahmen des Care4future Konzeptes zu ihrer Entscheidungsfindung beigetragen hat.

Wir sehen in dem Care4future-Kurs für Schüler wie für Ausbildungsträger einen weiteren Vorteil: Die Praxisnähe und vor allem der Höhepunkt des Kurses, ein 14-tägiges Praktikum im Pflegeheim – verhindern einen Praxisschock nach Beginn der Ausbildung und verringern damit die Abbrecherquote.

Das Konzept von Care4future findet mittlerweile bundesweit Anklang. Im vergangenen Jahr konnten allein in Rheinland-Pfalz im Rahmen des „Landesprojekts Nachwuchssicherung in den Pflegeberufen“ 20 Netzwerke aufgebaut werden, die in Anlehnung an das Projekt aktuell laufen.

 

Die Autoren:

Bernd Bogert ist Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste gGmbH mit Sitz in Hückelhoven
Bernd.Bogert@st-gereon.info

Sina Steffen ist stellvertretende Projektleiterin care4future sowie Personal- und Organisationsberaterin in Diensten der contec GmbH
s.steffen@contec.de

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