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Wirtschaftlichkeit
Aktualisiert am 01.10.2021 - 07:00

So werden Rehakliniken auf dem Land profitabel

Geschäftsführer Wolff, Wehde © Ina Strohbuecker

Kliniken für Rehabilitation kämpfen vor allem im ländlichen Raum mit Wettbewerbsnachteilen. Wie Träger die Wirtschaftlichkeit erhöhen, erklären die Geschäftsführer der Beraterfirma Conrata, Bernhard Wehde und Reinald Wolff.

Rehabilitation spielt im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle. Krankheit, Unfall oder hohes Alter können einen Aufenthalt in einer Rehaklinik notwendig machen, um die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen oder zumindest die persönliche Autonomie bestmöglich zu erhalten. Dennoch ist das Image der Rehabilitation noch nicht auf Augenhöhe mit der Akutmedizin. Dies hat Auswirkungen auf die Mitarbeitergewinnung und Finanzierung.

Der Ausbau von Reha und Geriatrie hat Zukunft

Die bewiesenen Erfolge der Rehabilitation bei der Wiedereingliederung und Stärkung der Selbstständigkeit, gerade auch in der geriatrischen Rehabilitation, lassen keinen Zweifel daran, dass ein verstärkter Aufbau von Reha-Angeboten Zukunft hat. Mit dem demographischen Wandel steigt aber auch der Bedarf an Akutbehandlung alter Menschen. Dieser Skaleneffekt ist jedoch nur Basis für die Kapazitätsplanung. Auch ohne Fallzahlsteigerung wäre ein Ausbau der geriatrischen Rehabilitation zur Verbesserung der Lebensqualität im Alter geboten, um einen hohen Grad an Selbstständigkeit zu bewahren. Das gilt besonders auch bei bereits bestehender Pflegebedürftigkeit.

Geriatrie in die Akutversorgung integrieren

Für alte und gebrechliche Patienten ist geriatrisches Fachwissen auch in der Akutbehandlung von sehr hoher Bedeutung. Dieses kann über geriatrische Abteilungen erfolgen, die je nach Notwendigkeit von Fachärzten anderer Abteilungen konsiliarisch mitversorgt werden. Alternativ erfolgt sie in den durch das Krankheitsbild des Patienten bestimmten Abteilungen und wird dort über einen geriatrischen Schwerpunkt, der alle Abteilungen des Krankenhauses fachärztlich, therapeutisch und pflegerisch mitversorgt, unterstützt. Beide Organisationsformen weisen Vor- und Nachteile auf. Welche Lösung im konkreten Fall besser geeignet ist, sollte je nach Standort und Region entschieden werden. Dreh- und Angelpunkt bleibt stets, dass fachspezifisches geriatrisches Know-how tatsächlich beim Patienten ankommt, ohne ihm anderes fachärztliches Wissen vorzuenthalten.

Rehakliniken auf dem Land im Nachteil

Geriatrische Akutversorgung und Rehabilitation sollten möglichst regional erfolgen, um soziale Bindungen und Begleitung zu nutzen. Das ist gerade in der Rehabilitationsphase alter Menschen besonders wichtig. Die Personalgewinnung für dieses Arbeitsfeld, wie auch der Aufbau wirtschaftlicher teilstationärer und ambulanter Strukturen ist jedoch im ländlichen Bereich erschwert. Die Anfahrtswege sind lang und der öffentliche Nahverkehr häufig unterentwickelt. Im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter ist die Rehabilitation darüber hinaus gegenüber dem Akutkrankenhaus auch finanziell im Nachteil. Im Akutbereich werden tarifliche Vergütungen im Pflegedienst in vollem Umfang refinanziert, in der Psychiatrie sogar auch für das therapeutische Personal. Die tendenziell schlechtere Bezahlung in der Rehabilitation stellt eine weitere Hürde dar.

Regionale Versorgungsstruktur aufbauen

Daher wäre - auch im Sinne eines ökonomischen Schutzes der Einrichtungen -  der Aufbau einer regionalen Versorgungsstruktur wünschenswert. Gerade im ländlichen Raum kann die Umwidmung kleiner, wenig spezialisierter Akutkrankenhäuser, die um ihre Zukunft kämpfen, zu Geriatrie-Abteilungen und Rehakliniken erfolgreich sein, soweit das Fachpersonal zu gewinnen ist und bestehende Versorger nicht benachteiligt werden.

So erhöhen Träger die Wirtschaftlichkeit

Das Geschäftsfeld Rehabilitation verzeichnet einen positiven Trend. Unternehmen müssen jedoch mit Hindernissen rechnen, denen sie strategisch begegnen sollten. Folgende Ansätze können Lösungen bieten:

  • Feste Kooperationen mit regionalen Akutkliniken. Das erhöht die Planbarkeit und sichert Kontinuität in der Belegung
  • Gemeinsame Organisation und Zusammenarbeit bei der neuen bis zu zehntägigen Übergangspflege im Akutkrankenhaus
  • Absprachen und Vergütungsvereinbarungen mit den Krankenkassen für neue ambulante Leistungsformen, beispielsweise Nachsorge- und Nachhaltigkeitsprogramme, gegebenenfalls kombiniert mit telemedizinischen Angeboten
  • Erweiterung des Programmes im Selbstzahlerbereich mit einer Kombination aus geriatrischer Reha und Pflege

Die Autoren:

Bernhard Wehde und Reinald Wolff sind Geschäftsführer der Conrata GmbH in Stuttgart.

bernhard.wehde(at)conrata.de

reinald.wolff(at)conrata.de

 

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