Medizinische Versorgung

Kassen ignorieren Vorschläge zur Versorgung Behinderter

Kliniken könnten seit August 2018 Verträge zur Versorgung von Behinderten mit den Krankenkassen abschließen. Doch die Vorschläge der evangelischen Kliniken fänden keine Beachtung, kritisiert Verbandschef Christoph Radbruch.

DEKV Vorsitzender Radbruch © DEKV / Hans-Christian Plambeck

  • Krankassen würden Vorschläge zur besseren Versorgung von Menschen mit Behinderung nicht beachten, kritisieren die evangelischen Krankenhäuser.

  • Der Verband sieht Verbesserungspotential beim Aufnahme und Entlassmanagement sowie in der Betreuung der Menschen mit Behinderung während des Aufhenthaltes.

  • Seit Juli können Kliniken mit den Kassen Verträge zur besseren Versorgung schließen, die den Mehraufwand vergüten würden.

Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) bemängelt die fehlende Ressonanz der Krankenkassen auf Vorschläge für eine bessere Versorgung von Menschen mit Behinderung. „Wir haben seit einem Jahr die Möglichkeit, individuelle Qualitätsverträge zur Versorgung von Menschen mit Behinderungen mit den Krankenkassen zu vereinbaren. Doch bisher ist es keinem unserer Häuser gelungen, einen entsprechenden Vertrag abzuschließen, obwohl verschiedene evangelische Krankenhäuser mit Konzepten auf die Krankenkassen zugegangen sind“, kritisiert Christoph Radbruch, DEKV-Vorsitzender.

Verbesserungspotenzial in fünf Bereichen

  1. Ein Aufnahmemanagement, um die Orientierung für die Patienten und Patientinnen zu erleichtern sowie medizinisches und Pflegepersonal zu unterstützen.

  2. Eine feste Bezugsperson, die die fachgerechte Versorgung sicherstellt, Ansprechpartner für alle Fragen ist und den Krankenhausaufenthalt koordiniert.

  3. Kommunikationsmittel in leichter Sprache und eine unterstützte Kommunikation für Patientinnen und Patienten und Fallkonferenzen mit verschiedenen Experten in komplizierten Fällen.

  4. Weitergehendes Entlassungsmanagement, das Lücken in der Behandlungskette vermeidet.

  5. Schulungen für das Krankenhauspersonal zu den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen

Aufnahme von Verhandlungen gefordert

Der Interessensverband fordert mehr Tempo und Engagement in diesem Bereich, damit die Frist für die Modellvorhaben nicht ungenutzt verstreiche. So würde die Chance vergeben, die Versorgung dieser vulnerablen Patientengruppe im Krankenhaus langfristig zu verbessern, sagt Radbruch. Solche Verträge mit den Krankenhäusern böten die Möglichkeit, den Mehraufwand vergütet zu bekommen, so Radbruch weiter.

Mit dem Ziel, die Versorgung von Menschen mit Behinderungen im Krankenhaus zu verbessern, können Krankenhäuser und Krankenkassen seit 15. August 2018 Qualitätsverträge zwischen verhandeln und abschließen. Sie sollten ab dem 1. Juli 2019 gelten und bis Ende Juni 2023 laufen, um anschließend evaluiert zu werden. Das Krankenhausstrukturgesetz von 2015 bietet die Möglichkeit, Qualitätsverträge zwischen Krankenhäusern und –kassen zu schließen. dh

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